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Die Kreatur · 1929-01-01 · Heft 1 · page 130

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
3 (1929-1930)
Issue
Heft 1
Date
1929-01-01
Page
– (sequence 130)
Language
German
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vom Stofflichen auf, als der einfache Russe (deshalb konnte auch einer seiner berufensten Deuter, Wladimir Solowjoff, das Recht der Materie auf Vergeistigung zur russischen Forderung erheben). Das ist ein Mensch (so erschien er mir wenigstens immer auf russischem Boden), der immer und überall dem Zwang entschlüpft und niemals und nirgends seinem Gewissen und damit zeigt er auch gleich auf, wie man der Gewalt zu entgehen vermag. Freilich, letzten Endes unterliegt kein Mensch dem äußeren Zwang: immer bleibt etwas in ihm, was gar nicht umzubringen ist, und worin sich eine letzte Eigenäußerung flüchtete — und sei es auch nur als innerer Widerspruch, als elementares Nichteinverstandenseinkönnen mit der Gewalt, der man sich äußerlich fügen muß. Es eignet auch allen in Rußland und durch Russen gewonnenen Erkenntnissen, die ihrem Wesen nach immer nur Beweise durch das Leben sind, Nachweise von einem irgendwie wichtigen Erlebt werdenkönnen, die mithin nur Vorerlebnisse bedeuten: daß in ihnen etwas zum Ausdruck gelangt, was allen Menschen, was dem Menschen an sich zukommt, was nur den nichtrussischen Menschen nicht mehr bewußt ist, wenigstens nicht mehr so bewußt wie dem Russen selber, was ihnen verloren ging im Drange rein persönlicher innerer Vorbeschäftigung, was sie wenigstens vorderhand beiseite schoben und was jetzt zurückgewonnen werden muß für sie, worauf sie erst wieder aufmerksam gemacht werden müssen, damit sie nunmehr einen großen Wert darin erkennen: etwas Errettetendes: das Errettende, das längst schon, aber ganz anderswo Gesuchte! Alle diese erst heute auf nichtrussischem Boden zur Würdigung und Verwertung gelangenden russischen Findungen, die nur Wiederfindungen sind, kann man zusammenfassen in der uralten Erkenntnis von der inneren Unabhängigkeit des Menschen von seinesgleichen und seiner wesentlichen Unbesiegbarkeit durch sein Schicksal; im besonderen in der Erkenntnis von der Illusion aller Gewalt, die auf Menschen von Menschen ausgeübt werden soll und — was auf das gleiche herauskommt — von der Wesenlosigkeit, von der, wenn man so sagen darf, bloßen Rahmenhaftigkeit (in Hinsicht auf vollmenschliche Ausfüllung) aller feststehenden Einrichtungen des menschlichen Zusammenlebens und -Wirkens. 130

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