Mannheim
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19261929
  1. 1929-01-01 · Heft 1 · page 93

    Beute gegeben, ohne Schonung auch nur der Frauen und Kinder, die Jugend dieser Länder der Verkrüppelung geweiht. Was blieb noch von Eigenrechten der Menschen auf sich? Aber längst vor dem Kriege hatte diese Verdinglichung der Mensehen einge…

  2. 1929-01-01 · Heft 1 · page 94

    Yerohnmächtigung: der Seele ist die Leitung der Weltdinge entwunden; sie darf nur im Phantasiereich neben der Wirklichkeit bauen. Sie sinkt zur Literatur, die geistige Ware vertreibt - entsprechend die übrigen Künste - oder irrt heimatlos, …

  3. 1929-01-01 · Heft 1 · page 95

    Hieraus fließt die Arbeitsverdrossenheit der Zeit. Ihr Mangel an Arbeitsfreude, der beginnt mit der moralischen Betonung der Pflicht und sich auswächst schon bis zu Arbeitsdesertion. Nicht einem Zweck zu gehorchen, diesem Zweck gehorchen zu…

  4. 1929-01-01 · Heft 1 · page 96

    Arbeitsverwaltung. Ja Zeichen melden sich, daß hie und dort die Falscheinstellung zur Natur w enigstens erkannt wird und eine Wandlung in den Seelen leise Besserung schafft, w enn auch nur im kleinen. Aber das Schwungrad der Zeit arbeitet i…

  5. 1929-01-01 · Heft 1 · page 97

    seitige Weltgeschäftigkeit und Welttüchtigkeit? Katholische \\ erkheiligung hatte diese geschäftige Tüchtigkeit, Welt weltlich zu nehmen, einzunehmen, auszunehmen, von einseitiger Betätigung bisher abgelenkt. Der Protestant logierte seine S…

  6. 1929-01-01 · Heft 1 · page 98

    mehr, seine Leibesarbeit in das Kapital der Natur hereinzustecken, oder die Arbeit mit Werkzeugen zu tun, die bloß Verstärkung der Gliedmaßen des Leibes sind; er spielt die Naturkräfte gegeneinander aus, um seinen Ertrag aus der Natur zu er…

  7. 1929-01-01 · Heft 1 · page 99

    Gottsucherweg niedergebrochenen geistlichen Seelen, die man rücksehend in der reformatorischen Zeit ilxrjöia nannte und die in unserer Weltform in Neurasthenie und den anderen Gestalten von Neurosen und Psychosen wieder erscheint: dies irre…

  8. 1929-01-01 · Heft 1 · page 100

    Kirche und Staat im konstantinischen Staatskirchentum einen hinkenden Ausgleich, um wieder einige Arbeitsamkeit herzustellen. Mit nun noch steigender Verknechtungsgewalt. Welchen Druck auflastender Schwere sprechen die Bauten jetzt aus. die…

  9. 1929-01-01 · Heft 1 · page 101

    EUGEN ROSEN STOCK DIE RÜCKWÄRTS GELEBTE ZEIT Unsere Erfahrungen von 1918 bis 1928 1. Ein Gespräch Es ist alles wie 1918, sagte mir ein Freund.—Ja, gab ich zu. Nur ist der Boden gefroren, der damals geöffnet schien. - Aber was ist\s denn mit…

  10. 1929-01-01 · Heft 1 · page 102

    zählt werde. Auch diese gibt es ja in Hülle und Fülle. Es sind eben die Geister, die jene Parole ausgeben, wir seien in Raum und Zeit „eingeschlossen". Denn schon damit haben sie den Raum zur Dominante unseres irdischen Daseins gemacht, wei…

  11. 1929-01-01 · Heft 1 · page 103

    Auch für die Vergangenheit des Geistes gibt es ein Wort. Es bildet sich heute im Gegensatz zur Geistesgegenwart und zur Begeisterung. Die „Geistigen64 nennt man die ganze Schicht im Volke, die nachdenklich hinter der Zeit her in den gebilde…

  12. 1929-01-01 · Heft 1 · page 104

    Entartungen wurden denen nachgesehen, die nur die allgemeine Glaubensforniel für sich bejahten. Noch weniger natürlich hatten ihre Gegner, die ztitfreien Hochstehenden und Frei-Geister Lust, sich mit den Erkrankungen des Denkens zu befassen…

  13. 1929-01-01 · Heft 1 · page 105

    nur vorübergehend Schritt mit dem Zeitgeist! Rückwärts zu leben ist Ereignis geworden in unserem Leben. Wir haben die Zeit umgekehrt. Einige Tatsachen seien also deshalb ausgesprochen. Was hier ausgesprochen wird, gilt vielleicht für alle V…

  14. 1929-01-01 · Heft 1 · page 106

    Für uns jedenfalls sind die fünf Jahre 1918—1923 kein Luxus und kein Spuk, sondern notwendig gewesen. Wir waren in eine Sackgasse geraten. Verrammelt war unser Weg in die Welt. Ausgeschöpft waren unsere geistigen Vorratskammern, unsere seel…

  15. 1929-01-01 · Heft 1 · page 107

    Da war also etwas geschehen, sichtbar und wirksam geschehen. L nd stand über aller Häuptern bereits als Vergangenheit. Aber man hielt es in der Schwebe, so als ob es erst Zukunft sei. Der 9. November hatte alle überrascht. Nun fuhren alle i…

  16. 1929-01-01 · Heft 1 · page 108

    leicht gefunden, so war man nun auf der Erde der völligen Andersartigkeit ausgeliefert. Alle waren wir anders geworden, auch die scheinbar 1923 äußerlich nebeneinander in Reih und Glied Stehenden. Denn es ist keiner, der nicht zwischen dem …

  17. 1929-01-01 · Heft 1 · page 109

    Es ist wie 1918, nur ohne die Geöffnetheit von damals, sondern in gefrorenem Boden, konnten wir eben deshalb sagen. Nicht etwa sich dumm stellen, nein, so dumm und einfältig werden, wie die Berufsreligion, die Standes- oder Familienkonventi…

  18. 1929-01-01 · Heft 1 · page 110

    Aber gerade weil er geschaffen und erneuert hat, eben deshalb tritt nun sein Ebenbild ein für ihn, um diese Wahrheit zu vollstrecken und zu bewähren. Denn er hat uns ja geschaffen, den Menschen. Und deshalb haben wir zweimal zu beginnen. Da…

  19. 1929-01-01 · Heft 1 · page 111

    9. Revolution und Evolution Jeder kennt das Gesetz der Revolution und Reaktion. Auf eine Revolution, ein Hervorschnellen folgt ein Rückschlag. Was bedeutet das aber? Nun, die Revolution ist geschehen. Das Ereignis ist da. Aber viele wollen …

  20. 1929-01-01 · Heft 1 · page 112

    wählen, ob er das will, was sich tun läßt, oder nicht. Es ist ein weises Wort, das der Besonnene sagt: er wolle sehen was sich tun läßt. Auf dieser Zwillingschaft zwischen Revolution und Evolution, Gnade und Gesetz beruht nun eine menschlic…