Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 3 (1929-1930)
- Issue
- Heft 1
- Date
- 1929-01-01
- Page
- – (sequence 114)
- Language
- German
- Belongs to
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Gnadenzeit des Nachholens schwer zugänglich, geschweige denn der widerspruchsvolle und schmerzhafte Weg der rückwärts gelebten Zeit. Aber sie können nicht anders. Denn freiwillig nimmt keine Generation diese Zerrung und Verrenkung ihres Weges über die Erde auf sich. Die Trennung in Himmel und Erde wird verabscheut von einem Lebensalter, dessen Angehörige sich entweder nur im Himmel oder nur auf der Erde befinden. Denn erst das spätere Leben bringt das jeder einzelnen Natur fehlende Element hinzu. Der rein Irdische braucht das Leid, der rein Himmlische die Pflicht, der rein Gesetzliche die Liebe, um zum Menschen, um ein voller Mensch zu werden. Die Nachkriegsgeneration lebt noch vor der Scheidung; sie begnügt sich in den eigenen Reihen mit der Parole des jungen Jahrgangs an sich. Die reinen Adamiten stehen unter den Jungen unerkannt neben Gesetzestreuen und neben Verwandelten. Und auf dieser Ungeschiedenheit und Unentschiedenheit der eigenen Reihen ruht also das Recht der neuen Generation, die Arbeitsteilung mit den Älteren abzulehnen oder hinauszuschieben. Noch hält der Gott der Jugend alle zusammen. Eben hierin liegt wohl auch die Hilfe. Die Nachkriegsgeneration als solche und im Ganzen wird die doppelte Auflehnung durchhalten. Aber jeden Einzelnen ereilt die Entscheidung, weil er hervorgehen will zum Mannestum. In den Jahren dieses Hervorgangs muß ihm begegnen, was ihn hineinzieht in die Zucht des Geistes, unter die Wahrheit seiner Wirklichkeit. Jedem wird etwas anderes begegnen müssen, und mehrfache Predigt und mehrfaches Gleichnis werden notwendig sein, um den verschiedenen Naturen gerade das mitzuteilen, was ihnen fehlt. Aber dann wird die ..rückwärts gelebte Zeit" auch zwischen den Generationen unerläßlich werden; denn auch das Leben des Einzelnen vollendet sich nur. wenn die Bahn des Jugendlichen so machtvoll ins Alter hineinführt, daß sie das Erbgut der Ahnen nachträglich hineinarbeiten kann in den individuellen Weg seiner Wahl. Die Wahl des eigenen Ziels in der Jugend und der Gehorsam gegen das Erbe im Alter wollen verschmolzen werden, damit der Mann sein Geschick zur Lebensgeschichte erhöhe. Der reife Mann lebt schon rein körperlich rückwärts in seine Ahnenreihe hinein und zurück; je weiter er vorsprang in der Jugend, wohl um so mehr. Dies bleibt ihm auch geistig nicht erspart. Seine Revolution wird erst durch seine Evolution bewährt. 114