Mannheim
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19261929
  1. 1927-01-01 · Heft 4 · page 27

    …mt es ihnen gar nicht in den Sinn, daß deren Quelle eine so sonderbare und geheimnisvolle sein könne. Unser Zeitgenosse Edmund Husserl, ein direkter und rechtmäßiger geistiger Nachkomme Descartes', der immer sich offen auf ihn beruft, erklärt feierlich: …

  2. 1927-01-01 · Heft 4 · page 28

    für frei und sehend halten. Wozu war das notwendig? Wußte das Spinoza, wissen wir es, die wir Jesaias und Spinoza lesen? Es läßt sich hierauf nicht nur nicht antworten - es läßt sich auch eine solche Frage nicht stellen... Es kann kein Zwei…

  3. 1927-01-01 · Heft 4 · page 29

    MARGARETE SUSMAN DER ROMANTISCHE VERSUCH Die romantische Bewegung im engeren Sinne nimmt in der deutschen Geistes geschieht e eine eigen…

  4. 1927-01-01 · Heft 4 · page 30

    Formeln gebrachte. Uberall traf sie auf Geschichte, auf geschichtlich Gestaltetes. Und so vermochte sie auch ihr eigenes Leben nur aus der Geschichte zu gewinnen, an der Geschichte zu deuten. Der Romantik zum erstenmal bedeutet Selbstbesinn…

  5. 1927-01-01 · Heft 4 · page 31

    Heraufrufen des einmal wirklich Gewesenen aus dem bloß bewahrenden historischen Gedächtnis in die Unmittelbarkeit des lebendigen Inneren. Und es ist dies Wiederaufleben, diese unmittelbar lebendige Vergegenwärtigung eines Vergangenen im Inn…

  6. 1927-01-01 · Heft 4 · page 32

    Romantik zugleich ihr geschichtliches Verhängnis aus. Denn durch eben diese restlose Verinnerlichung des Mysteriums wurde es wieder in dieselbe, ja, in eine noch tiefere Irrealität zurückgenommen, als die war, der die Romantik durch seine l…

  7. 1927-01-01 · Heft 4 · page 33

    nur erst vorüberfliehend auf. Indem sie Ich und Welt dennoch beide wieder in dem Kontinuum ihrer Unendlichkeitskonzeption auflöste, blieb sie durchaus im Idealismus des reinen Geistes gefangen. Die Paradoxie des realen Ich hat ihr Weltbild …

  8. 1927-01-01 · Heft 4 · page 34

    in die Wirklichkeit eines neuen wahreren und wirklicheren Lebens; das andere kennt und sieht nur die Idee. System und Ideal sind Grundbegriffe der Romantik, in denen selbst der unruhig drängende Wahrheitswille des jungen Friedrich Schlegel …

  9. 1927-01-01 · Heft 4 · page 35

    Es ist erschütternd, zu sehen, mit wie leidenschaftlicher Inbrunst immer neuen Suchens, mit wie immer neuen und vertiefteren Wendungen das romantische Denken konzentrisch oder eher noch einer in die Tiefe dringenden Spirale gleich diese leb…

  10. 1927-01-01 · Heft 4 · page 36

    und so setzt die Romantik an Stelle der lebendigen Existenz ein kosmisches Innere. Und damit treibt sie hinein in eine Weltlosigkeit ohnegleichen. Die Welt ist nicht mehr das dem Ich entgegenstehende Nicht- Ich Fichtes; sie ist überhaupt nu…

  11. 1927-01-01 · Heft 4 · page 37

    bleibt der Romantik von dem Wunder der ganz realen Vergöttlichung des Lebens; das Absolute ist das Meer, das alle ihre Lebensträume und Hoffnungen verschlingt. Und so radikal entwirklicht ist in diesem Absoluten der Romantik das Wunder der …

  12. 1927-01-01 · Heft 4 · page 38

    stenzielle Ich, nur radikaler noch das Leben gegen seinen zeitlichen Ablauf um. Vom Tode, vom Ende aus leben, heißt aus der eigentlichen Wahrheit des Daseins leben, die durch seinen vorwärtsgerichteten Ablauf verschleiert wird. Und so triff…

  13. 1927-01-01 · Heft 4 · page 39

    tums vom Schöpfertum, wie es im Blutpakt Fausts mit Mephistopheles gestaltet ist, oder als die Entkleidung Prosperos, der nach dem Abwerfen seines Zaubermantels sich nackt der Gnade anheimgibt. Die Romantik hat nie im Schöpfertum die Stimme…

  14. 1927-01-01 · Heft 4 · page 40

    alles Endlichen und Einzelnen vernichtet. Dem beschränkten vorläufigen Einzelnen kommt der Unendlichkeit des Ganzen gegenüber kein voller Ernst zu. Und sei es das Schönste, das Geliebteste, das Angebetetste: ein Mensch, ein Kunstwerk, die V…

  15. 1927-01-01 · Heft 4 · page 41

    wußten Repräsentation Gottes durch den Genius liegt die Quelle des intransigenten geistigen Hochmuts der Romantik. Und dennoch liegt in dieser übermütigen gottähnlichen Haltung, in der sich Spiel und Ernst, Frivolität und Religiosität, Witz…

  16. 1927-01-01 · Heft 4 · page 42

    tiker in ihrem Leben gestaltet haben. Hiermit - und nur hiermit - ist es der Romantik im Tiefsten Ernst gewesen. Ihr Ernst liegt also an völlig anderer Stelle als der des Bürgers im weitesten Sinne: des den Ernst gerade im Realen und Einzel…

  17. 1927-01-01 · Heft 4 · page 43

    Und wenn es die ganz großen Geister der modernen Welt charakterisiert, daß sie sich durch das Bekenntnis zur freien Tat von dem Fluch des Unglaubens zu erlösen suchten, daß sie wie der alte Faust das Spiel der regellosen, sinnlosen Elemente…

  18. 1927-01-01 · Heft 4 · page 44

    Erscheinung nur anzuschauen brauchten, damit das Wesenlose abfiel und das Wesenhafte sich offenbarte, machte sie im politischen Leben zu den phantastischen Reaktionären, die nirgends einer Wirklichkeit gewachsen waren. Dieselben Menschen, d…

  19. 1927-01-01 · Heft 4 · page 45

    Romantik, das ist die Zeit, in der die Seele mit aller versunkenen Göttlichkeit des Lebens genährt, in einsamer Selbstherrlichkeit dem Abgrund der vollendeten Glaubenslosigkeit entsteigt und ihren schweigenden, einsam strahlenden Weg in die…

  20. 1927-01-01 · Heft 4 · page 46

    Gewißheit hat sie verworfen. Die Kraft des Gewissens, die Kant als Auswirkung des moralischen Gesetzes mit eherner Festigkeit begründet hatte, kann in der Romantik keine Quelle mehr außerhalb ihrer haben. Das Gewissen ist in der Romantik ni…