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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 4 · page 33

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 4
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 33)
Language
German
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nur erst vorüberfliehend auf. Indem sie Ich und Welt dennoch beide wieder in dem Kontinuum ihrer Unendlichkeitskonzeption auflöste, blieb sie durchaus im Idealismus des reinen Geistes gefangen. Die Paradoxie des realen Ich hat ihr Weltbild nicht gesprengt; es blieb ihr in einer reinen Überschau des Geistes faßbar; es blieb Weltanschauung. Die Romantik ist Weltanschauung im eminenten Sinne; d. h. sie sucht die Welt, zu der sie nicht mehr im schlichten unmittelbaren Verhältnis des Glaubens, des Lebens steht, als ganze anzuschauen; sie sucht sie im Geiste als Totalität zu fassen. So ist es weder die wirkliche umfangende Welt, noch der die Wirklichkeit des Lebens bewohnende wirkliche Mensch, sondern es ist dennoch wieder das losgelöste geistige Subjekt und das bloße ihm korrespondierende Objekt, die sich in der Weltanschauung der Romantik gegenüberstehen. Indem die Romantik das leere weltlose Subjekt des Idealismus aus einer tieferen Lebensschicht heraus zu überwinden rang und es, mit allen Kräften des Lebens und Geistes überfüllt, dennoch wieder dem Geist zum Schauen übergab, hat sie gerade die Weltlosigkeit des schauenden Subjekts in letzterTiefe vollendet. Die ungeheure Welle geistigen Lebens, die sie auf ihren steilsten Gipfel emportrug, von wo sich der Blick in ein anderes Wellental öffnete, nahm sie in sich zurück. Und es konnte nicht anders sein. Denn unmittelbar hinter der Romantik und noch weit in sie hineinreichend lag jener gewaltige Sieg des Menschengeistes, den wieder rückgängig zu machen unmöglich war und dessen Erschließungen sie zugleich in inbrünstiger geistiger Erschlossenheit in sich hineinleitete. Schon allein die Aufgabe, vor der sie sich sah: die Totalitätskonzeption Goethes mit der völlig andersartigen Fichtes zu versöhnen, stellte sie vor ein so überschwängliches Bild der Totalität, daß es ihr die Wahrheit des ganzen Lebens wie in einem Wunderspiegel zurückstrahlte. Geistgeboren und geistüberfüllt wie die Romantik war, verwechselte sie in dieser Gewalt widerscheinenden Lebens Bild und Wirklichkeit, Weltanschauung und Welt. Indem sie die allüberflutende Totalität, die sich ihr in der Vereinigung beider Weltbilder erschloß, Unendlichkeit nannte, gab sie ihr den Namen, der alles Leben, alle Wahrheit und alle Göttlichkeit in sich zurückschlang. Und so wurde ihr die ganze lebendige Wahrheit, um die sie rang, doch wieder aus einem Lebensbegriff zu einem Begriff reinen Schauens. Das eine Antlitz des Januskopfes der Romantik bückt hinüber 401

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