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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 4 · page 40

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 4
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 40)
Language
German
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alles Endlichen und Einzelnen vernichtet. Dem beschränkten vorläufigen Einzelnen kommt der Unendlichkeit des Ganzen gegenüber kein voller Ernst zu. Und sei es das Schönste, das Geliebteste, das Angebetetste: ein Mensch, ein Kunstwerk, die Verwirklichung einer Idee in irgendeiner Form, - wer den Sinn für das Ganze und seine Unendlichkeit hat, der kann nicht an ihm und nicht an der Liebe zu ihm haften bleiben, er muß an ihm das Vereinzelte, das Vergängliche und Unvollkommene sehen und so an ihm das Gericht des unendlichen Ganzen, der Idee des Absoluten selbst vollziehen. Vom Absoluten, vom Ganzen aus gesehen ist die Würde und Wahrheit alles Einzelnen hinfällig: es ist spinozistische Erkenntnis, die in diesem Wissen die ganze Romantik durchdringt. Nur aber in einem völlig veränderten Weltaugenblick. Die Welt war nicht mehr Gott, war nicht mehr göttlich; der Gott lebte allein im Innern: an dem Punkt, wo das Ganze der Welt der letzten Tiefe der menschlichen Seele sich erschloß. Und so springt hier wiederum die tiefe Paradoxie der Romantik auf. Nur vom einzelnen Menschen kann das Gericht des Ganzen über das Einzelne vollzogen werden, und nur darum ist der Einzelne überhaupt fähig zum Vollzug des Gerichtes der Ironie, weil in ihn, in sein Inneres die Göttlichkeit des Lebens sich zurückgezogen hat. Aber eben darum kann nicht jeder Einzelne es sein, nur der Mensch als Vertreter des Weltganzen: das Genie, die schauende schöpferische Vertretung des Absoluten ist dazu berufen. Der romantische Geniebegriff ist von der romantischen Ironie unabtrennbar. Weit entfernt, eine allgemein menschliche Position auszudrücken, überfliegt 6ie vielmehr das eigentlich Menschliche und führt in der Genialisierung des Göttlichen die Vergöttlichung des Schöpferischen auf ihren Gipfel. In dem romantischen Geniebegriff scheint der Mensch alle menschliche Fragwürdigkeit und Bedingtheit abgelegt zu haben. Das Genie ist der Romantik das Sichtbarwerden des Weltgesetzes selbst auf seinem Gipfel und zugleich der tiefste Ursprung des Gesetzes: es ist Geistwerdung der Natur, Offenbarung des Göttlichen und damit die schöpferische Vollendung des Lebenszusammenhanges überhaupt. So liegt in der Vollstreckung der Ironie die Gefahr schrankenloser Selbstübersteigerung, weil sie eine grundsätzlich das Menschliche übersteigende Haltung ist. Das Gericht des Ganzen über das Einzelne zu vollziehen, kommt letzthin nur Gott zu, ist nur von ihm aus möglich. In dieser be* 408

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