Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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und so setzt die Romantik an Stelle der lebendigen Existenz ein kosmisches Innere. Und damit treibt sie hinein in eine Weltlosigkeit ohnegleichen. Die Welt ist nicht mehr das dem Ich entgegenstehende Nicht- Ich Fichtes; sie ist überhaupt nur von Gnaden der Seele. Es gibt für die Romantik kein Durchsetzen des Ich gegen ein ihm entgegenstehendes Anderes mehr: es gibt nur ein Ausströmenlassen und ein Sich-Hingeben an die immanente göttliche Kraft. Die ungeheure lebendige Spannung einer revolutionären Poblematik, die den Anfang der Romantik durchdrang, löst sich in die schrankenlose Hingabe an ein geschautes Absolutes. Dasselbe Ringen um eine totale Wahrheit, das den jungen Friedrich Schlegel auf Begriffe des lebendigen Existierens treffen läßt, die erst einer späteren Welt angehören und wirklich zu verarbeiten gelungen sind, löst sich in seiner kontemplativen Unendlichkeitskonzeption fraglos auf, bis es zu einer neuen veränderten Erfassung der totalen Wahrheit in seiner Spätzeit wieder aus ihr hervordringt. Und ebenso endet Novalis, der sein kurzes Leben hindurch mit einer Inbrunst ohnegleichen um eine neue Ganzheit des Lebens, um eine Wiederversöhnung von Gott und Welt, um eine lebendige Wiederein\ erleibung des Göttlichen ins Menschliche gerungen hat, in der reinen Hingabe an das Unendliche, das Absolute. Sein ganzer Dienst am unbewußten Dasein, seine gewaltige Vergegenwärtigung der Mystik des Irdischen von der dunkelglühenden Feier des Blutes, der Liebe und des Todes bis zu seinen gierig zugreifenden und schlürfenden Begriffen des Essens und Trinkens als letzten Ausdrucks lebendiger Einverleibung, himmlisch-irdischer Durchdringung, deren Mysterium er gleich mächtig im Abendmahl wie in der Wollust bezeugt findet - alle diese Begriffe scheinen aus einer dunklen und geheimnisvolleren Wirklichkeit den Geist mit fortwährender Sprengung zu bedrohen. Und doch sind sie alle zugleich Symbole, Bilder inneren Sinnes, und gehören als solche rein der Welt des Geistes an, und der Geist nimmt in ihnen nur eine reichere Fülle des Lebens in sich zurück. Dasselbe Wunder der ganzen, vom Geist nicht mehr zu bewältigenden Wahrheit, das Friedrich Schlegel zuletzt geistflüchtig unter die Offenbarung trieb, begründet das mystische Christentum des Novalis, das in seiner unendlichen schwebenden allentwirklichenden Symbolik eine glühende Vernichtung alles Empirischen im Absoluten bedeutet. Das bestimmungslose Absolute allein, dieser reine Traum des. Geistes, 404