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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 4 · page 37

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 4
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 37)
Language
German
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bleibt der Romantik von dem Wunder der ganz realen Vergöttlichung des Lebens; das Absolute ist das Meer, das alle ihre Lebensträume und Hoffnungen verschlingt. Und so radikal entwirklicht ist in diesem Absoluten der Romantik das Wunder der Ganzheit und Göttlichkeit, das in der vollen Wirklichkeit des Lebens wiederzuerringen sie ausgezogen o ~ O war, daß es ihr zuletzt - erst hierin die ganze Paradoxie ihres Denkens entschleierndam reinsten, am eigentlichsten erscheint in der Gest alt des Todes. Im Leben hat sich ihr alles als einzeln, als bedingt, als vorläufig enthüllt; das Unbedingte, das Ganze offenbart sich nur im Tod. Der Tod allein ist es, der das Leben zu seiner Ganzheit vollendet; er schenkt ihm die Erlösung aus der Vereinzelung, schrankenlose Vereinigung alles im Leben Getrennten, Heimkehr alles Endlichen in die Unendlichkeit. „Im Tode ward das ew'ge Leben kund.44 Der Tod wird zum Sinn des Lebens selbst. Nicht mehr vom Leben, sondern vom Tode aus wird das Leben verstanden und gelebt. Die Romantik hat, im Geiste um die Tiefe der Erinnerung kreisend, diese Richtungsänderung der Lebensbewegung vollzogen. Vor allem Novalis, von dem Tod seiner frühverstorbenen Braut ihr nachgezogen, selbst von den Schatten frühen Todes angeweht, wird nicht müde, das absolute Wunder des Todes und seinen unergründlichen Sinn für das Leben zu verkünden. Wie ein großer leuchtender Schwan rudert seine Seele singend über den dunklen Spiegel des Todes, in dem die Landschaft des Lebens umgekehrt steht, und diese schöne versöhnende Spiegelung erscheint ihm wahrer, bekannter als die vielfältig aufgerichtete, zerrissene Lebenswelt. Sein ganzes Schauen senkt sich hinab in die geheimnisvolle Nacht und allmächtige Ganzheit der Todes weit. Sie singt er in süßen schwelgenden Melodien als die, die die Welt des Tages Vernichtigt und die ihr zugleich alle Schauer des Geheimnisses, der Schönheit, der Liebe und Freude schenkt, die die Lebenden hier schon empfinden. Helft uns nur den Erdgeist binden, Lernt den Sinn des Todes fassen Und das Wort des Lebens finden; Einmal kehrt Euch um. In diesem Geisterruf der Toten an die Lebenden hat Novalis sein letztes Wissen um den Sinn des Todes für das Leben ausgesprochen. Der Tod als Ausgangspunkt dreht wie die Erinnerung, wie das lebendige exi- 405

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