Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 30)
- Language
- German
- Belongs to
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Formeln gebrachte. Uberall traf sie auf Geschichte, auf geschichtlich Gestaltetes. Und so vermochte sie auch ihr eigenes Leben nur aus der Geschichte zu gewinnen, an der Geschichte zu deuten. Der Romantik zum erstenmal bedeutet Selbstbesinnung Kritik an der Gesamtheit der Geschichte und die Kritik der Geschichte letzte Selbstbesinnung. Indem so der Geist selbst die Romantik von aller Unmittelbarkeit des Lebens hinweg auf immer steilere unwegsamere Höhen emportrieb, zwang er sie zugleich, sich zurückzuwenden, und dahin zu blicken, woher sie kam. Und damit verändert sich für die Romantik plötzlich die Landschaft. Der leuchtende Nebel des Geistes, der bis dahin das Tal unter ihr verhüllt hatte, riß auseinander. Sie erblickte unter sich den Abgrund der überflogenen Wirklichkeit. Die gesamte Romantik ruht auf dem Heimweh : Heimweh nach den Quellen und Gründen des Lebens, die der Geist unter sich im Dunkel zurückgelassen hat: nach einer Welt, die die wirkliche Welt, nach einem Leben, das das ganze Leben, nach einer Wahrheit , die mehr als nur die Wahrheit des Geistes ist. Und dahin bricht die gesamte Romantik auf. Sie wendet sich um; sie sucht den Weg zurück. Sie ist der Aufbruch zum Ganzen in jeder Gestalt : zur ganzen Wahrheit, zum ganzen Leben und zum ganzen Menschen. Den Romantikern als ersten dämmerte die Einsicht in das Verhängnis der radikalen Trennung von Gott, Mensch und Welt, die jedem dieser eben in ihrer lebendigen Verbundenheit Wirklichen seine Wirklichkeit genommen hatte. Und indem sie, von den wachsenden Schatten einer UnWirklichkeit bedrängt, von der noch der jüngst vergangenen Generation, ja auch der neben ihr lebenden, keine Ahnung gekommen war, in ihrem spontanen Verlangen nach Wirklichkeit, Ganzheit, Göttlichkeit des Lebens die gesamte geschichtliche Entwicklung überblickten, stießen sie mit einem neuen geschärften Sinn auf das Grundfaktum, das Ens Realissimum der abendländischen Geschichte: das Wunder der einmal dagewesenen, im irdischen Leben verwirldichten Göttlichkeit. Und so tauchte dies Urwunder, von dem die Entwicklung den Geist immer weiter abgetrieben hatte, ohne daß je der Faden ganz abgerissen war, alles Geschichtliche überstrahlend, im Kern der romantischen Welterfassung unvermittelt als Ziel ihres Heimwehs und als letzte Lebensgewißheit wieder herauf. Die Grundkraft der Romantik ist die Erinnerung: Erinnerung als 398