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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 4 · page 41

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 4
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 41)
Language
German
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wußten Repräsentation Gottes durch den Genius liegt die Quelle des intransigenten geistigen Hochmuts der Romantik. Und dennoch liegt in dieser übermütigen gottähnlichen Haltung, in der sich Spiel und Ernst, Frivolität und Religiosität, Witz und Tragik unheimlich nahe berühren, auch wieder eine letzte Bescheidung und Selbstbescheidung alles Menschliehen als eines Einzelnen gegenüber dem Ganzen. Wenn Friedrich Schlegel mit dem Wort Lamartines: „Cest pour la verite que Dieu fit le genie", die Bestimmung des Genius ausspricht, die ihn zum legitimen Vollstrecker des Gerichtes des Ganzen über das Einzelne werden läßt, so klingt in dem stolzen Wort doch auch die Demut einer reinen Hingabe an. Die Ironie hebt sich gleichsam selber auf. Denn nicht vom Subjekt - auch nicht vom genialen Subjekt - sondern von der Idee des Ganzen, von der Wahrheit selbst aus, die es repräsentiert, durch die es zugleich aber auch selbst gerichtet wird, geschieht das Gericht der Ironie. Die späte Einordnung so vieler Romantiker in einen bestimmten bestehenden Religionskreis drückt nur diese andere ins Objektive umgeschlagene Seite des ironischen Lebensverhältnisses aus. Indem die Ironie die Bewegung und Funktion des Todes am Leben nachzeichnet, indem in ihr die Vergänglichkeit alles Einzelnen nicht als natürliches Schicksal, sondern als Ausdruck der unbedingten Uberordnung des Ganzen über das Einzelne vom Geiste erfaßt und verwirklicht wird, mündet die Ironie zuletzt notwendig in Selbstvernichtung in irgendeiner Form. Der Traum von der Vollendung in der Vernichtung alles Einzelnen als eines Unvollkommenen, von der Selbstwerdung im Zerbrechen des Selbst, muß in seiner Erfüllung alle Grenzen des Einzelllebens sprengen. So hat die Gewißheit: „Denn von des Einzelnen Tod blüht ja des Ganzen Gebild", das feste, lebenbejahende, tatenfrohe Ideal des Bürgers völlig umgekehrt. Der romantischen Ironie als geistiger Haltung entspricht mit Notwendigkeit auch ein neues Lebensideal, in welchem das Einzelne seinen Ernst verliert. Dasselbe all Vernich tigende Todes wunder, das in seinen trunkenen nächtlichen Melodien Novalis immer aufs neue singt, das in strengen schwer erfaßbaren Gedankenreihen die romantische Philosophie entwirft, aus dem heraus sie jene einzige leuchtende Fähigkeit der Kritik entwickelt, die ihr eine besondere Stellung in der Geistesgeschichte anweist, ist es, dessen Unendlichkeitsrhythnius die Roman- 109

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