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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 4 · page 39

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 4
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 39)
Language
German
Belongs to
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tums vom Schöpfertum, wie es im Blutpakt Fausts mit Mephistopheles gestaltet ist, oder als die Entkleidung Prosperos, der nach dem Abwerfen seines Zaubermantels sich nackt der Gnade anheimgibt. Die Romantik hat nie im Schöpfertum die Stimme des bösen Geistes, der die Seele von ihrer wirklichen menschlichen Bestimmung abziehen will, vernommen. Sie hat es schrankenlos bejaht; sie ließ sich von der Schönheit, in die sie die Welt versenkte, hinnehmen und einwiegen und ihren großen Lebenstraum von ihrem Schöpfertum verschlingen. Und dennoch war ihr das Wissen um die Ganzheit des Wirklichen zu unverrückbar eingepflanzt, als daß sie in der Schönheit und Vollendung eines einzelnen Gestalteten sich hätte beruhigen können. Gerade dies konnte sie nicht, gerade dies war der Stachel, der sie überall aufjagte: daß dennoch mit aller Schönheit, die sie in ihm sah und anbetete, kein noch so gewaltiges Einzelne - sei es ein Werk oder eine Gestalt - ihr das Ganze ersetzen oder verdecken konnte. Aber nicht indem sie sich von allem Bilden abwandten zur Unmittelbarkeit der Tat, zum Leben im Wirklichen - sondern rein negativ: nicht vom Leben sondern vom Tode und seiner vom Leben nie zu erreichenden Ganzheit aus gaben die Romantiker diesem unmittelbaren Wissen um das Ganze Gestalt. Und so kehrt der Tod und das romantische Todeswissen in all seiner Überschwänglichkeit nicht nur in die geistig lyrische Sphäre zurück - sondern er wird aus der mythischen Schau seiner Bedeutung zur vom schöpferischen Geist selbst zu vollziehenden Aufgabe. Die \\ ahrheit des Todes als des allein Ganzen soll vom Menschengeist selbst an allem Einzelnen, das in sich ein Ganzes zu sein scheint, vollzogen werden, um es in seiner Vereinzelung sichtbar zu machen und es zugleich zu der vollen Ganzheit zurückzuführen, aus der es ist und der es angehört. Dieser geistige Vollzug des Todes am Lebendigen ist die romantische Ironie, „Wir müssen uns über unsere eigene Liebe erheben und was wir anbeten, in Gedanken vernichten können, sonst fehlt uns der Sinn für das Unendliche", - in diesem Wort Friedrich Schlegels, das nur die subjektive Seite seines anderen Wortes ist: „Denn von des Einzelnen Tod blüht ja des Ganzen Gebild", ist der Begriff der Ironie und damit das Verhältnis der Romantik zum Ganzen und zum Einzelnen mit voller Klarheit niedergelegt. Der Geist setzt sich in der Ironie über die Liebe. Es ist der Sinn des Geistes für die Unendlichkeit des Ganzen, der die Endgültigkeit 407

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