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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 4 · page 43

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 4
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 43)
Language
German
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Und wenn es die ganz großen Geister der modernen Welt charakterisiert, daß sie sich durch das Bekenntnis zur freien Tat von dem Fluch des Unglaubens zu erlösen suchten, daß sie wie der alte Faust das Spiel der regellosen, sinnlosen Elemente durch die gesetzhaft freie Menschentat zu überwinden und zu ordnen suchten: der Romantik war dieser Weg versagt. Während der Größte in freier Selbstbesehränkung, die titanische Entwicklung seines Geistes anhaltend, in die bürgerliche Lebensgemeinschaft, über die sein Geist sich so unermeßlich erhob, sieh wieder einordnete, schweiften die Romantiker nach allen Seiten, in Denken und Leben, in Erkennen und Bilden in Trotz und Übermut über diese Welt hinaus. Und damit springt auch hier - in ihrem Leben selbst - noch einmal notwendig ihre paradoxe Lage auf und führt sie mitten im \\ irklichen aus der Wirklichkeit heraus. Auch in dieser ganz realen Gestaltung ihres Lebens verfuhren die Romantiker wieder rein kontemplativ - handelten sie lebensfremd, abgesondert vom Wirklichen. Denn dies selbe Geschlecht, das die bürgerlichen Lebensformen unbedenklich verschmähte und überflog, war doch ohne sie als Grundlage seines Lebens und Schaffens nicht denkbar. Gerade in dem Abstrahieren von den sie selbst konstituierenden Lebensbedingungen ist die unbürgerliche Haltung der Romantik eine spezifisch bürgerliche Haltung, und das ganze sprudelnde Durcheinandermischen der Wirklichkeiten in ihrem Leben erscheint so gesehen als eine einzige blendende Flucht und Ausflucht vor der tatsächlichen Realität, die sie trug. Die Einordnung Goethes in die bürgerliche Welt, die die Romantiker nicht verstehen und nicht verzeihen konnten, die ihnen als eine bloße Verengung erschien, ist eine weit unbürgerlichere Haltung, insofern Goethe in ihr die \\ irklichkeitsbedingungen seines Lebens durchschaute und auf sich nahm. - Mehr als einmal hat dieser ihnen selbst nie aufgegangene innere Widerspruch in die Lebensschicksale der einzelnen Romantiker verwirrend und fälschend ein^e- & griffen und sie vor allem für die Gegenwart des kollektiven Daseins, für alles praktische Wirken im Realen, für politische und soziale Aufgaben grundsätzlich untauglich gemacht. Dasselbe Verhältnis zum Leben, da» sie zu den großen, überschauenden Kritikern machte, die mit ihrem völlig unbeirrbaren Blick in das Wesen eines Werkes, einer Erscheinung, einer Epoche eindrangen, die gewissermaßen ein Werk, eine Zeit, eine 411

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