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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 4 · page 31

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 4
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 31)
Language
German
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Heraufrufen des einmal wirklich Gewesenen aus dem bloß bewahrenden historischen Gedächtnis in die Unmittelbarkeit des lebendigen Inneren. Und es ist dies Wiederaufleben, diese unmittelbar lebendige Vergegenwärtigung eines Vergangenen im Innern, die das ganze Denken der Romantik wie in einem eigentümlichen Wirbel um sich selbst dreht und das neue geschichtliche Bewußtsein der Romantik in eine mystische Ungeschichtlichkeit und Widergeschichtliehkeit umschlagen läßt. Denn alle Erinnerung ist als Wiederaufleben eines Vergangenen ihrem Wesen nach ungeschichtlich, zeitüberwindend - ja, indem sie die Vergangenheit an einem Punkte rückgängig macht und damit den zeitlichen Ablauf gegen sich selbst umkehrt, ist sie eine Aufhebung der Zeit. So ist es aus ihrer Erinnerung heraus unmittelbar verständlich, daß die Romantiker, indem sie die geschichtliche Situation, in der sie sich fanden, als erste klar durchschauten, sie aber auch zugleich an der erinnerten absoluten maßen, ihrer Einsicht gegenüber nicht die Haltung einnahmen, die sich uns heute als die allein mögliche enthüllt hat: bewußtes Auf>ichnehmcn des geschichtlich Notwendigen als Aufgabe - sondern die alles Geschichtliche überstrahlende absolute Situation selbst, die in ihnen wieder auflebte, wurde ihnen - unbekümmert um den geschichtlichen Zeitpunkt - zur Aufgabe, zur Forderung ihrer Wiederrealisierung. So hatten sie aus ihrer Erinnerung heraus den verwegenen, den echt romantischen Mut, der Geschichte ihre eigene persönliche Einsicht in das Ganze des Lebens entgegenzustemmen, für sich selbst etwas sein und etwas schaffen zu wollen, dem die Geschichte das Todesurteil gesprochen hatte. Aber damit ändert das Wunder, aus dem die Romantik das Leben wieder aufzubauen strebte, selbst seine Gestalt. Denn das Mysterium ganzen göttlichen Lebens ist in diesem Zeitpunkt in der geschichtlichen Wirklichkeit nicht zu ergreifen. Nur im Inneren kann in diesem Augenblick der Entseelung und Entgöttlichung der Welt die erinnerte Göttlichkeit des Lebens wiedergefunden, nur aus dem Innern kann sie der Welt zurückgeschenkt werden. Und so bedeutet die von der Romantik geforderte Umkehr des Lebens gegen seinen geschichtlichen Verlauf notwendig zugleich eine Abkehr und Einkehr: Abkehr vom Außen und Einkehr in das Innen - bedeutet sie Er-innerung nicht nur sondern auch Verinnerlichung. „Nach innen geht der geheimnisvolle Weg" - dies Wort spricht mit der durchgehenden Richtung, mit der Grundgewißheit der 399

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