Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 4
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 35)
- Language
- German
- Belongs to
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Es ist erschütternd, zu sehen, mit wie leidenschaftlicher Inbrunst immer neuen Suchens, mit wie immer neuen und vertiefteren Wendungen das romantische Denken konzentrisch oder eher noch einer in die Tiefe dringenden Spirale gleich diese lebendige innere Wirklichkeit umkreist und immer inniger einkreist — wie das ganze Denken der Romantik von ihrem unbegreiflichen Geheimnis bedrängt und gleichsam um sich selbst gedreht ist - und wie dann dennoch die ganze sprengende Urkraft der Paradoxie des Ich sich noch einmal wieder vor der Ruhe des schauenden Geistes glättet. Aber sie bestimmt die Form des geschauten Weltbildes nach sich; alle Kräfte der lebendigen Existenz sammeln sich in einem geheimnisvollen Innern, in dem die Fäden des Lebens rastlos sich verschlingend 7 D zusammenlaufen und aus dem sie verwandelt wieder herv ordringen - das so zum Mittelpunkt, zum Ursprung und zur immerwährenden schöpferischen Erneuerung der Welt wird. Nur im Innern - das war die tiefste Gewißheit der Romantik - können sich alle Widersprüche des Lebens und Denkens lösen; aus dem Inneren allein kann alle Wahrheit des Lebens stammen. Hier, in der erschauten Ganzheit des das Außen bestimmenden und mit umschließenden Inneren sammelt sich ihr alle Realität des Lebens. „Das Äußere ist ein in Geheimniszustand erhobenes Innere - vielleicht auch umgekehrt46, sagt Novalis. Alles in der Romantik blüht und flammt und wogt von der Entfaltung dieser geheimnisvollen W ahrheit. Aller Traum, alle Phantasie geht diesen Weg, alles Licht sinkt ins Innere. Alle Philosophien und Dichtungen, alle Märehen und Sagen, die in buntester Fülle aus allen Zeiten und Ländern einströmen, ja auch alle Religionen sind nur noch die Hülle dieser Wahrheit. Unendlich ist der mystische Zug in die gestaltdurchwogte Nacht dieser Innerlichkeit. Noch über Fichte hinaus, der die unendliche schöpferische Selbsterfassung in einem absoluten Ich fixierte, löst dieser Zug ins Innere und durch das Innere hindurch ins wieder Innere alle Bestimmungen auf; er ist auf keine noch so gewaltige übergeordnete Form, an der er erfaßt werden könnte, mehr beschränkt, er ist die unendliche Lebenstotalität selbst, die immer erneut zentral sich sammelnd durch alle Gestalten hindurchbricht, um sie wieder neuen, höheren Formen zuliebe zu zerstören. So löst sich das Wunder und Geheimnis des lebendigen Ich in dem Kontinuum einer kontemplativ geschauten L nendlichkeit wieder auf, 403