Mannheim
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19261929
  1. 1927-01-01 · Heft 3 · page 67

    saturnalische Narrenfest von den zeitgenössischen Philosophen damit begehen, daß sie ernsthafteste Gespräche pflegen über kalendarische, astronomische, legendarische und dergleichen Fragen; beteiligt ist vornehmlich der auch sonst aus der G…

  2. 1927-01-01 · Heft 3 · page 68

    … der verbotenen Genüsse doch nur seinen äußeren Anstrich und die oberste Spitze abgebröckelt haben, auch im Innern wohl allerhand verstellt und vernutzt, und An- und Ein-Bauten sind auch vorgekommen, aber den Bau haben die Zeiten im Kern stehen lass…

  3. 1927-01-01 · Heft 3 · page 69

    lag: wie die twelve nights der englischen Droll-Zeit; wie Dreikönigen vor Epiphanias, dem altchristlichen Neujahr; wie die katholische Fasel- Nacht, Fast-Nacht, vor Ostern, dem babylonischen Jahr-Anfang. Verbessern wir uns also insoweit: Ka…

  4. 1927-01-01 · Heft 3 · page 70

    zur Kulmination. Denn freilich, so bewundernswert die Energie Chaldäas, ein Welt-Bild zu formen, die Formen des Bildes tragen nur allzudeutlich die Spuren der Anfängerschaft in Natur-Erkenntnis, die Eierschalen des Landes, aus dem es erscha…

  5. 1927-01-01 · Heft 3 · page 71

    abhängigen, knechtischen Sohn regieren und tun es, indem sie ihn auffordern, seine Erde nach ihrem Himmel einzurichten. Der Himmel wird das Urbild, die Erde das Abbild. Die Sterne am Himmel aber sind das Lebendige da droben, sind die Lebens…

  6. 1927-01-01 · Heft 3 · page 72

    Gesicht wieder zeigte, das sie eine gesetzte Zeit lang verborgen, dies Licht könnte den Betern doch wieder genommen werden, die Schatten könnten es verschlingen: - dies dreifach bange Beben doppelt sich noch in der babylonischen Seele, wenn…

  7. 1927-01-01 · Heft 3 · page 73

    3. Aber nein! Damit hätten wir ja den Karneval - erklärt! Hätten seilet uns von jenen alten Rationalisten fangen lassen, von den weisen Priestern, die ihn - geklärt, geläutert, weg-erklärt haben. Ihm so einen andern Sinn untergeschoben habe…

  8. 1927-01-01 · Heft 3 · page 74

    … Mänaden zur Welt gebracht wurden, trotz des Eindringens des Bacchos-Rauschs gerade auch in die phallischen Kulte, darf Euripides in seinem Bacchen-Drama sagen: „zwar zwingt Dionysos die Frauen nicht, gegen die Lockung der Kypris sich schamhaft zu h…

  9. 1927-01-01 · Heft 3 · page 75

    Humanität schlägt zurück in kannibalischen Blutdurst; dem Publikum des Euripides erscheint nicht unglaubhaft, daß die Bürgerinnen Thebens (nicht die Sklavinnen, der Pöbel; nein: die Damen der Gesellsc…

  10. 1927-01-01 · Heft 3 · page 76

    alten alternden Götter; drang als der Gott, der besessen macht, gottbesessen, en-theosmiert, den Menschen vor den Göttern neue Furcht auf, neuen Glauben. In ihm durchrangen die Männer sich zu neu-überwältigender Männlichkeit, überwanden den…

  11. 1927-01-01 · Heft 3 · page 77

    Alles Ringen der Menschheit seitdem um die Wahrheit kommt von der Komödie, die Hellas damals gespielt. Von dem verzweifelten Mut, Komödie zu spielen, wenn die Götter im Stich ließen, auch außerhalb der Schalt-Zeit. Von dem Mut, die Komödie …

  12. 1927-01-01 · Heft 3 · page 78

    …der lasziven oder läppisch-glücklichen Lachen und den paar sprunghaften Witzen und Stegreif-Ansprachen der hinter dem W agen des glückhaften Schiffs einhertollenden Chöre, als es dieser schreiend unberedten Disharmonie Rhythmus, Melodie und Har…

  13. 1927-01-01 · Heft 3 · page 79

    Sieger von Salamis nie so losgedroschen hätten ohne das Hegelhafte Wort, mit dem ihr Admiral unverschämt im Kriegsrat die ehrerbietige frostige, ihm Schweigen auflegende Rangordnung und Korrektheit der Mandarinen zerdrasch, und wie sein vor…

  14. 1927-01-01 · Heft 3 · page 80

    sonst so strengen engen Hut des Hauses heraus schweifen ließen als Mänaden in das charakteristische Männergeschäft, das im Frieden den Krieg ersetzt, in die Jagd, und wenn diese in die Hirschdecke verkleideten Jägerinnen mit tödlichen Bisse…

  15. 1927-01-01 · Heft 3 · page 81

    … feiert, aber nicht deshalb, weil die klimatische Jahreszeit dazu veranlaßt. Wiewohl die Dichter der Natur- Empfindung, Euripides besonders, den Gedanken der Schaltzeit auch diese Stimmung verliehn haben. Denn freilich: die Jahrwende im Zeichen des …

  16. 1927-01-01 · Heft 3 · page 82

    man Ehe schließen, wenn die gesetzlichen Götter aussetzten!), und vor dem anderen unserer Fastenzeit (diese wie jene einst Schalt-Zeit!), die Männerchöre den ländlichen Fasching im „Kelterfest" mit Prozession und Theater, das immer mit Saty…

  17. 1927-01-01 · Heft 3 · page 83

    tische Körper zerfetzt, seine Bürgerschaften rasend aneinander hetzt? und selbst zu schlimmer Letzt, als das Bacchantentum nach Rom überspringt, dem Rom, das diesen Unglücklichen vergebens eine geordnete beschränkte Freiheit zu gewähren ver…

  18. 1927-01-01 · Heft 3 · page 84

    …reckt und Bresche gerissen hat mitten durch die Deiche der Ordnung-Religion, die aus dieser Veste eines Pantheon-Kosmos allerhand Steine ausgebrochen und mitgeschwemmt hat, und die dann mit diesen Trümmern eines Festen ihren auflösenden Schwall selb…

  19. 1927-01-01 · Heft 3 · page 85

    der Religion, der Toten-Geister-Glauben, mit all seinem Grausen da lebendig wurde. Dann werden wir erkennen: Vernunft - ist Flucht vor Angst; und Rausch - ist die Angst und Flucht vor Angstlosigkeit, heraus aus der Vernunft, als diese die S…

  20. 1927-01-01 · Heft 3 · page 86

    Rausch der Erotik, der auch jenes selige Gefühl der Gott-Geschwelltheit eingeistete, stillte trotz Uberreizung - und wahrlich, Babel hat ihrer nicht verschmäht; auch die europäische Bock-Geilheit der Dionysien und Saturnalien nicht; noch un…