Mannheim
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19261929
  1. 1927-01-01 · Heft 3 · page 47

    LUDWIG STRAUSS NATUR UND GEMEINSCHAFT STÜCKE EINER HÖLDERLINBIOGRAPHIE 1. Stamm In der Art des schwäbischen Stammes scheinen alle Wese…

  2. 1927-01-01 · Heft 3 · page 48

    Völker ist, so ist Schwaben das Herz dieses Herzens. Aus solcher Mitte kam die Botschaft, die Hölderlins Hymnen und Elegien der letzten Schaffensjahre bringen, die noch nur wenige traf, die aber dem ganzen Volke gilt: daß es berufen sei, so…

  3. 1927-01-01 · Heft 3 · page 49

    Hier sind drei Elemente ineinander verschlungen, die, eben in solcher Verflochtenheit, aber auch in ihrem Widerspiel gegeneinander, für Hölderlin entscheidend blieben: Natur, Gottheit, Liebe. Der Glanz, mit dem der abendliche Strom ihn über…

  4. 1927-01-01 · Heft 3 · page 50

    heit zu verachten; und der kleinste Umstand jagte mein Herz aus sich selbst heraus, und dann wurde ich nur desto leichtsinniger. Wollte ich klug sein, so wurde mein Herz tückisch, und die kleinste Beleidigung schien es zu überzeugen, wie di…

  5. 1927-01-01 · Heft 3 · page 51

    Als ich je die Menschen gekannt, Ich verstand die Stille des Äthers, Der Menschen Worte verstand ich nie. In diesem Zusammenhang erscheint das Gedicht durchaus als autobiographisch, was sich ja, gerade bei so reinen Dichtungen, keineswegs v…

  6. 1927-01-01 · Heft 3 · page 52

    endet. Den Hyperion durchzieht solches Bestreben schon auf der Stufe des Ichromans und bestimmend in der ganzen Schlußfassung. Waren in den frühen Fragmenten zum Hyperion noch die Beziehung zwischen Mensch und Mensch als Einzelnen und die z…

  7. 1927-01-01 · Heft 3 · page 53

    stimmt, sondern letzte Zuflucht der großen Liebe in der Menschenwelt und zugleich der Machtbesitz, von dem aus diese große Liebe immer wieder die Welt der Menschen erobern will. Aber in gleicher Zeit und im gleichen rhythmischen Maß, in den…

  8. 1927-01-01 · Heft 3 · page 54

    und dann, wenn sie zusammen sind, strengen sie mit aller erdenklichen Mühe sich an, um einsam zu sein im eigentlichen Sinne, sie öffnen die Türe und verschließen ihr Herz - dem Himmel sei Dank, daß ich los bin!" Diotima stellt dem Gegenbild…

  9. 1927-01-01 · Heft 3 · page 55

    sprechen ihn nicht aus. Ihn feiert kein Tag; kein Tempel ist ihm angemessen; der Einklang unserer Geister und ihr unendlich Wachstum feiert ihn allein." Hier ist einer jener Durchbrüche, wie es in anderer Weise das Frühlingsfragment von Wal…

  10. 1927-01-01 · Heft 3 · page 56

    geistes ist, so ist weder das Wasser damit zum Symbol des Herzens, noch der Äther zu dem des Geistes verflüchtigt und entwirklicht. Die inneren Elementarwesen Herz und Geist grüßen in den äußern Elementarwesen Wasser und Äther die Verwandte…

  11. 1927-01-01 · Heft 3 · page 57

    mals, der die Abkehr verbot, scheint hier unwirksam. Nicht anders, nur aus der persönlichen in die Sphäre einer kosmischen Historie gesteigert, klingt es im letzten Brief des letzten Buchs: ,,0 du mit deinen Gottern, Natur! ich hab ihn ausg…

  12. 1927-01-01 · Heft 3 · page 58

    völlig gleich der allgemeinen klassizistischen Anschauung des deutschen achtzehnten Jahrhunderts in seinen letzten Jahrzehnten. Weder in den Vorstufen, noch in der endgültigen Fassung des Romans begegnen Anzeichen dafür, daß dieses Bild sic…

  13. 1927-01-01 · Heft 3 · page 59

    menhang mit der ewigen, unendlich-einigen Schönheit immer zu w ahren vermag. „Das konnte der Ägyptier nicht. Wer mit dem Himmel und der Erde nicht in gleicher Lieb und Gegenliebe lebt, wer nicht in diesem Sinne einig lebt mit dem Elemente, …

  14. 1927-01-01 · Heft 3 · page 60

    nicht gemäß dem Nietzscheschen Begriff vom Apollinischen, sondern eher umgekehrt zu verstehen ist, als Reich des Urfeuers, der Elementargottheit Sonne), zu seinem Apollonsreich erobert er sich die abendländische „Junonische Nüchternheit". S…

  15. 1927-01-01 · Heft 3 · page 61

    ist schon die Beziehung aufgetan, es lebt in der Dynamik der Geschichte, die einbegriffen ist in der Dynamik der gotterfüllten Welt. So kann dort am Ende die Hoffnung sein, die am Ende des Hyperion verloren scheint: die Hoffnung auf neue Me…

  16. 1927-01-01 · Heft 3 · page 62

    sie sich vor der Welt verschließen. Der Dichter des Romans Hyperion, der mächtig aus dieses Reiches Grenzen hinausstrebt, ist noch in ihm gebunden, aber er findet sich nicht mit ihm ab. Vor dem großen Durchbruch, der geheim aber nachhaltig …

  17. 1927-01-01 · Heft 3 · page 63

    FLORENS CHRISTIAN RANG HISTORISCHE PSYCHOLOGIE DES KARNEVALS1) 1. Krieg, Revolution, Verworrenheit, dumpfes Dröhnen und Beben - während sie in den Seelen unseres Zeitalters wühlen, was ^oll da Geschichte des Mummenschanzes? Hat Fasching das…

  18. 1927-01-01 · Heft 3 · page 64

    Das Erdseebeben des Karneval-Vulkans mag uns weisen, auf welch vulkanischem Boden wir stehn. In diesen fast erloschenen Krater können wir einsehn. Vielleicht, daß danach wir unsere Verworrenheit klären. Und Mut fassen, daß der drohende Erd-…

  19. 1927-01-01 · Heft 3 · page 65

    - Spott ist gemilderter Hohn - nicht mehr beherrschend hervor: vernehmbar ist das Schalk-Lachen noch. War auch noch in unserm Mittelalter oft grimmiger Hohn. Gegen den Teufel oder gegen die Geistlichkeit zum Beispiel. Eh wir aber die Zeit a…

  20. 1927-01-01 · Heft 3 · page 66

    ist ihm dabei so unfaßbar gewesen, so unzerreißbar, daß der Mensch seine unschuldige Heiterkeit in diese teuflische Lache überschlug? Der Gott. - Karneval ist ein Stück Religion-Geschichte, das Karneval- Lachen die erste Blasphemie. 2. In d…