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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 3 · page 76

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 3
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 76)
Language
German
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alten alternden Götter; drang als der Gott, der besessen macht, gottbesessen, en-theosmiert, den Menschen vor den Göttern neue Furcht auf, neuen Glauben. In ihm durchrangen die Männer sich zu neu-überwältigender Männlichkeit, überwanden den Knecht-Gehorsam gegen Himmel-Schickung, fanden empörerischen Mut zu erlösender Tat. Im Rausch des Dionysos hat Athen der nüchternen Tugend gesetzlicher Lakedämonier die Vormacht aus den Händen gerissen, in jener orgiastischen Schlacht der Tollkühnheit, bei Salamis, die sie, und mit ihr die See- Herrschaft, gewonnen haben in demselben Geist einer die Menschlichkeit mit Füßen tretenden Wildheit, in dem sie dem Dionysos - nicht dem Zeus, nicht der Athene, nicht den Göttern des Meers! - zum Schlacht- Beginn das Schlacht-Opfer gebracht: nicht von Bock oder Farren - ein Menschen-Opfer: drei lebendige Gefangne! ★ ★ ★ Das Rasen entbrannte in zeitlichen Zyklen; der Hohn auf Menschlichkeit brach sich als Karneval Bahn. Als babylonisch-trunkenes Lachen maskierter verkehrter Welt in Schalt-Prozession. Durch das Kalender- Loch der Unordnung brach der Triumphzug des Dramas der Außerordentlichkeit. Ich wage in der Tat nicht weniger zu behaupten, als daß überhaupt die moderne Freiheit des Geist- und Seelen-Lebens in die Zeit gesprungen ist als Faschings-Bocksprung und -Freisprung. All unsre Passioniertheit der Subjektivität. All unsre geladene Unfähigkeit, nur immer in den Ordnungen ruhig zu atmen und nicht uns immer wieder darunter dem Ersticken nah zu fühlen und platzend sie und uns zu zerreißen. Nur daß längst der außerordentliche Ausbruch des Rauschs von Leidenschaft ordentlich geworden, allgemeines Seelen-Recht, allgemeiner Seelen- Zustand, und die Beschränkung auf kalendarische Perioden abgestreift hat. Was unterscheidet uns von dem Fatalismus der Asiaten, von der Passivität ihres Himmels-Determinismus? Das Pathosl Dessen Wiege in der Wiege des Knäbleins Dionysos stand, in der „Schwinge64, in der über die Pause des Jahr-Umschwungs der irre Tumult gott-verlassener Griechen den Gott des Uberschwangs aus der Geburt „schwang". Das Pathos, das heute auf offenem Markte billig geworden, aber in die Freiheit der Öffentlichkeit seinen Weg laufen mußte durch die enge Gasse des Karneval-Korso, mit dem Weinkrug zur Entschuldigung in der Hand. 324

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