Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 70)
- Language
- German
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zur Kulmination. Denn freilich, so bewundernswert die Energie Chaldäas, ein Welt-Bild zu formen, die Formen des Bildes tragen nur allzudeutlich die Spuren der Anfängerschaft in Natur-Erkenntnis, die Eierschalen des Landes, aus dem es erschaut ward. Und namentlich die Nachwirkungen des Geisterglaubens in seiner vor-astrologischen, animistischen Form. Allerdings - der Babylonier glaubt sich nicht mehr umschwirrt von abgeschiedenen Seelen, front nicht mehr den Bedürfnissen persönlicher Ahnen, betet zu den hohen Göttern des Himmels, deren Wesen all-ein gottheitliches ist. Aber ihren Himmel ausbaut er ihnen, als wären sie dennoch Ahnen, die ungern die Heimat verließen, zur mesopotamischen Heimat. Eufrat und Tigris sind Mitte seines Welt-Bilds. Auch der Himmel besteht aus Wasser, Festland, Luft, und in derselben Anordnung dieser Teile wie auf seiner mesopotamischen Erde: zwischen und an den Wassern nur ein schmaler Land-Damm, tellurisch der Irak, uranisch der Tierkreis. Weiter zur Seite, östlich und westlich - genauer: nordöstlich und südwestlich; so peinlich richtet dieser Fromme seinen Göttern ihren Himmel aus nach der Lauf-Richtung seiner Ströme, wie denn auch sein Tierkreis, der unsern Äquator schneidet, ihr nach schräg gerichtet erscheint - zur Seite also liegen auch noch andere Festländer, aber das sind keine Länder geordneten Verkehrs; denn nur Mesopotamien ist geordneter Staat, nur im Tierkreis wandeln die Planeten. Im Norden hat das Eufratische Land ein Ende; Mesopotamien ist da von Gebirgen, versperrt, hinter denen der Flüßling kein Land mehr denkt, sondern auf der Berghöhe erhebt sich das Luftreich, das Reich des Unsichtbaren, das mit seinem Fuß herab in das jenseitige Ende des Wasserreichs taucht. Denn als eine Schale unter dem Land her wogt dieses und ist zugleich Unterwelt und Süden, weil im Süden (Süd-Osten) das Meer Babylonien abschließt und weil das Flußland abfällt vom Gebirge nach dem Meer zu. Nach dieser heimischen Dreischichtung also baut der Mesopotamier den Himmel. In den er aber auch die Sphären der Sterne einbaut, so daß sein Himmel sich um seine Erde herumwölbt. Als er ihn nun gebaut hat nach dem Angesicht seines Landes, vergißt er das, muß es vergessen wollen: denn er hat nicht eine Natur erkennen gewollt, sondern seinen Herren einen Palast gebaut; dieser Mensch will nicht wissen, daß er den Himmel gemeistert, sondern hat ihn gemeistert, um sich von ihm meistern zu lassen: die Götter, die Nachfolger der Geister-Väter, sollen ihren zagen, 318