Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 71)
- Language
- German
- Belongs to
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abhängigen, knechtischen Sohn regieren und tun es, indem sie ihn auffordern, seine Erde nach ihrem Himmel einzurichten. Der Himmel wird das Urbild, die Erde das Abbild. Die Sterne am Himmel aber sind das Lebendige da droben, sind die Lebenszeichen, Signale, Offenbarungen der Götter, besser: die Götter in ihrer offenbarenden Gestalt. Ihre verschlungenen Zeichen von Konjunktionen und Oppositionen, von Sphären- Kreuzung und von Auf- und Nieder-Gang deutend zu beherzigen, ist der Herzensdrang einer religiösen Menschheit - und, Seligkeit!, sie eröffnen sich der bittenden Vernunft: am großen Gesetz der Zahl, das auch ihre Bahnen und Erscheinungen durchwaltet, lassen sie sich berechnen : nichts braucht zu geschehn und nichts darf auch geschehn, keine Herrschaft geübt werden und kein Gehorsam, keine Ruhe und keine Arbeit, außer nach ihrer Bestimmung,-und nun können wir berechnen, welches Beben durch Chaldäa zog, wenn die Berechnung schließlich nicht aufging, wenn die Harmonie zwischen Himmel und Erde in den Bruch iring, wenn die O beiden größten offenbarenden Götter, Sonne und Mond, sich nicht in eine Rechnung bringen ließen! Schalt-Tage - o beklemmendes Geständnis, daß die Mond-Umläufe mit den Sonnen-Umläufen nicht in Rhythmik zu denken sind! Jetzt gibt sich uns zu erkennen, warum bei Naturvölkern Karneval noch keine Statt haben kann. Weil diese nicht nach dem Sonnenjahr auch, dem nur astronomisch zu berechnenden, ihr Leben einstellen, sondern außer nach den erdhaft sich aufdrängenden Jahreszeiten nur nach dem sinnlich so auffälligen Mond-Umlauf! Aber dann sind wir auch reif, mit-bebend zu erkennen, ivas für Gefühle in der Schalt-Zeit durch die babylonische Brust bebten. Die Ur-Zeit stand auf, als die Vernünftigkeit wegfiel, - die Gespenster-Spüke, die Zauber-Fratzen, die Larvenhaftigkeit, die besessene Angst schamanischer Mondsucht! Die schwüle Bangigkeit der Wilden, die der ohnmächtigen Furcht vor Xacht-Maren, vor unzähligen heimtückischen Anfällen unberechenbarer finsterer Unholde eben anfangen sich zu entschlagen im Aufschauen zum beruhigenden Mondlicht (der Mondgott ist der älteste Gott auch in Babylonien!) - die fragende Bangigkeit der höchstens halb erst Beruhigten, ob nicht aber der Mond selber auch ein Alb sei, ein berückender Schlimm-Dämon, - und aber der Aufschrei aller Bangigkeit in Angst: das Licht, in dem die gütige, ja endlich wirklich gütig geglaubte, Licht-Gottheit im Neumond ihr 319