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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 3 · page 69

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 3
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 69)
Language
German
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lag: wie die twelve nights der englischen Droll-Zeit; wie Dreikönigen vor Epiphanias, dem altchristlichen Neujahr; wie die katholische Fasel- Nacht, Fast-Nacht, vor Ostern, dem babylonischen Jahr-Anfang. Verbessern wir uns also insoweit: Karneval ist nicht der Moment des Juhrwechsels, keine Sylvester-Mitternacht, deren Rummel ihm freilich nachschlägt; der babylonische Determinismus (wenn man ihn so nennen will) hat ohnehin auch das moralische Bewußtsein sich mit-eingevvirkt, auswirkt also, was sein soll, nicht automatisch, sondern rechnet auf svnergistischen Vollzug. Karneval ist eine Pause, das Interregnum zwischen einer Thron-Entsagung und Thron-Besteigung (unser Staatsrecht-Satz : le roi est mort, vive le roi! gilt ja für Sultanate des Orients nicht); ist darum eine Prozession, ein Umzug: das Abbild eines himmlischen Prozesses : der Prozession der Sterne, bis das Herrscher-Gestirn des Altjahrs völlig untergegangen ist und das Herrscher-Gestirn des neuen Jahrs auf die Thron-Höhe geklommen; der Korso war das Abbild der Bahn dieser Gestirne. Das räumliche Welt-Bild der Babylonier hat dem Karneval seine Figur gegeben; als Lückenbüßer der Kalender-Rechnung hat er sich astrologisch einkleiden lassen müssen. Das Gelächter ist in eine Maskerade maskiert. Aber betrachten wir erst noch, welche Züge des astronomischen Welt-Bilds dem Karneval dies sein Kleid angezogen haben! Wir mögen ö o anknüpfen an eine Wort-Erklärung von Karneval, die, wenn auch vielleicht nicht ganz so unsicher wie jene von Maskerade, und jedenfalls besser als die volksprachdeuterischen von „carne vale!*4 („Fleisch, leb" wohl!") oder „carni levamen" („Fleisches Erleichterung"), immerhin unrichtig sein mag, aber den Sinn deutlich zeigt. Le carnaval sei der car naval, der SchifFwagen, wie er noch heute im Karneval-Zug fährt, wie er im rheinischen und vlämischen Mittelalter zur Widereröffnung der Schiffahrt von der Schiffergilde gestellt ward, das Narrenschiff Sebastian Brants - und der heute noch über dem Orient in der Fahne des Kalifen schwebende Kahn der Mondsichel mit dem Stern drin (in jenen Breiten steht für das Auge der Jungmond nicht sichelgleich auf der Spitze, sondern schwebt breit als Kahn), das Schiff, das aus den Wässern des Unterreichs das Herrscher-Gestirn im Jahrumlauf hochtrug zum oberen Firmament, zur Veste des Tierkreises, des Himmels-Festlandes, Himmels-Dammes, auf dem es, nun gleich einem Wagen, ihn weiter trug 317

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