Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 67)
- Language
- German
- Belongs to
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saturnalische Narrenfest von den zeitgenössischen Philosophen damit begehen, daß sie ernsthafteste Gespräche pflegen über kalendarische, astronomische, legendarische und dergleichen Fragen; beteiligt ist vornehmlich der auch sonst aus der Geschichte bekannte Vettius .-Worius o Praetextatus; nach seiner Grabschrift: augur, pontifex Vestae, pontifex Solis, quindecemvir, curialis Herculis, sacratus Libero et Fleusiniis, hierophanta, neocorus, tauroboliatus, pater patrum: wenn einer, mußte er die religiöse Geheim-Tradition wissen. Ihm ist Karneval ein Fest der Gestirn-Religion. Ihr Neujahr-Fest: an dem der neue Kalender herauskam und die Konstellation für ein Jahr sich veränderte. Diese Veränderung der Stellung der himmlischen Mächte ist's, die sieh widerspiegelt in einer Veränderung der irdischen: im karnevalistischen Rollen- Tausch. Was der Himmel befiehlt, hat auf Erden zu geschehen: - in diesen kategorischen Imperativ mündet die praktische Vernunft in ihrer ersten Periode, der heteronomen, in der sie zur Herrschaft gelangte. Denn der Logos trat seinen Siegeszug an als Astrologos; die astrale Religion, die den Karneval erzeugt hat, ist die Vernunft-Religion, die Religion der vernünftigen Ordnung. Chaldäa hat die ungeheuerste Denk-Arbeit geleistet, hat geistig mehr als den Ossa über den Olymp getürmt: hat Welt und Gott in ein System getürmt. Betrachten wir zunächst noch nicht das Welt-jBiZd! der Babvlonier, die Raum-Anschauung, in die sie die ganze ► 7 n Welt zu einer Welt-Anschauung eingespannt haben. Betrachten wir vorher die Größe der Tat. Der Denk-Tat. Während schweifende Stämme nur schweifende Vorstellungen von dem, was nicht zum nächsten Leben gehört, mit sich tragen, hat die angesiedelte Beharrlichkeit des Denken* die Flucht der Erscheinungen zum Kosmos festgedacht. Hat Himmel und Erde, den Stern und den Menschen, hat jedes Ding in Zusammenhang gedacht. Aber damit nicht genug: auch die innere \\ eit. das C.haos von Willen-Stößen und Vorstellung-Flecken, in dem der urtümliche Mensch tierisch umherschwamm, hat Chaldäer-\ ernunft der Welt- Ordnung eingeordnet: zum Kosmos der Dinge ein Pantheon der Geister!, hat eine gegliederte Welt göttlicher Kräfte gesehmiedet, Kosmos und Pantheon in Eines geschaut, und also das Bild der Natur verlebendigt zur Aufnahme der seelen-beherrschenden Mächte, die W elt-Anschauung zum Gottes-Willen und den Gottes-Willen zur Menschen-Aktion und 315