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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 3 · page 68

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 3
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 68)
Language
German
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-Passion. Wissenschaft, Glaube, Tat - Einzelseele, Gesellschaft, Gottheit - Freiheit, Notwendigkeit, sittliche Pflicht - alles dies steht in Verhältnis, all diese Verhältnisse proportionieren sich begrifflich wieder zur sinnlichen Welt, und die große Gleichung und Ausgleichung des Daseins schwingt die sperrigsten Elemente im Rhythmus der Zahl. Eine Geistes-Konzentration von überwältigender Wucht! Sie hat das Universum zum Tempel und Wohnhaus der Menschheit in Einem so fest aufgemauert, so lückenlos gefugt, daß die Jahrtausende der Kritik, der Erfahrungen, der Leiden und der verbotenen Genüsse doch nur seinen äußeren Anstrich und die oberste Spitze abgebröckelt haben, auch im Innern wohl allerhand verstellt und vernutzt, und An- und Ein-Bauten sind auch vorgekommen, aber den Bau haben die Zeiten im Kern stehen lassen müssen: auch in unsern Tagen unterschreiben mit ihrem Herzblut Millionen das astrologische Dogma: „was der Himmel befiehlt, hat auf Erden zu geschehn", wenn auch nicht mehr in der astrologischen Form: „was die Sterne befehlen, hat auf Erden zu geschehen". Und auch die Hunderttausende, die vom Himmel nichts mehr wissen wollen, wollen doch noch etwas „über" sich, und wäre es bloß ein Glücks-Ideal, zu dem sie „aufsehn": die Sprache schon färbt ihr Neu-Wollen beständig mit altchaldäischer Schau. Erfüllen wir uns mit Bewunderung vor dem Gedanken-Turm von Babel, vor dieser Zwingburg einer Welt-Methodisierung, vor der Despotie der Gesetzmäßigkeit, in der das Denken, das die Welt in Ordnung dachte, sich dem Willen zur Ordnung gehorsam unterordnet, also daß es den eigenen Gedanken verbietet, in reine Folgerungen überzuschweifen - wie das des indischen Denkens Größe, aber auch Welt-Abgerücktheit ist - und vielmehr den Gedanken die Mäßigung gebietet, ohne die eine praktische Harmonie von allem und jedem nicht zusammengedacht werden kann. Wir bedürfen dieser Bewunderung vor der systematischen Gesetzlichkeit sowohl zum Verständnis wie zum Befremden vor der gesetzlichen Gesetzlosigkeit: vor dem Karneval. ★ ★ ★ Die Tollheit bellt an wider das Gesetz der Vernunft, aber die Vernunft denkt auch der Tollheit einen Platz im System aus. Die Astrologie gibt dem Karneval einen Platz im Kalender, der Gesetzbruch muß ihr einen Rechenbruch decken; das ist die Logik der Astrologik: Karneval deckt die Schaltzeit. Die ursprünglich zwischen den beiden Kalender-Jahren 316

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