Mannheim
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486
19261929
  1. 1927-01-01 · Heft 3 · page 7

    Tiefe ins helle Bewußtsein. Aber der Lauf des Gedankens durchs Bewußtsein von der Quelle bis zum Einmünden in die äußere Wirklichkeit ist nicht immer so kurz wie dort, wo es galt, dem Kinde nachzuspringen. Er kann auch so lang sein, daß Neb…

  2. 1927-01-01 · Heft 3 · page 8

    weltunwissende, aber niemals eine böse Einfalt. Naivität dagegen kann jede Art weltunwissender Unmittelbarkeit meinen, gute wie böse. Es gibt auch eine naive Selbstsucht und eine naive Zudringlichkeit. Der naive Mensch ist der Mensch der Na…

  3. 1927-01-01 · Heft 3 · page 9

    horcht. Sie ist nicht eine ethische* sondern eine religiöse« die religiöse Grundkategorie. Einfalt zieht uns zum Kinde. Sie liegt nicht nur im Kinde, aber sie liegt, beschirmt durch Naivität, in ihm am reinsten, unberührtesten. Darum dürfen…

  4. 1927-01-01 · Heft 3 · page 10

    Namen das Genie zu nennen pflegt. Wohl besteht zwischen seiner Einfalt und der naiven Einfalt jener ein grundtiefer Unterschied. Ihre Einfalt beruht in einer steten Wiederholung der Wahrheit des Menschen, der Natur - sofern ihr Kern noch di…

  5. 1927-01-01 · Heft 3 · page 11

    Die besondere Größe der modernen Kultur, die niemand leugnen wird, liegt in der ihr eignen Intensivierung der Kraft. Intensivierung aber ruht auf Zerlegung, auf Sonderung der Einzelkräfte durch den denkenden Geist. Auf Sonderung beruht so a…

  6. 1927-01-01 · Heft 3 · page 12

    Ganzheit des Menschenwesens, in seiner „Totalität". Es ging um die Universalität - nicht des Wissens, sondern des Wesens. Aber die universale Bildung wandelte von Grund aus ihren Sinn, als man bald sich anschickte, von den Großen des Geiste…

  7. 1927-01-01 · Heft 3 · page 13

    Einfalt ihm verloren ging. Es ist diese Art Aufklärung, der unsere Zeit wieder einmal absagen möchte, wenn sie nach den tieferen Tönen der Kunst, der Religion, des Volkstums ruft. Wonach sie verlangt, ist im Grunde nichts anderes als die Ei…

  8. 1927-01-01 · Heft 3 · page 14

    daß er restlos Personwert vor Dingwert, den Menschen, auch den geringsten, vor das Ding, auch das kostbarste, stellte. Das war in seiner Erscheinung das Revolutionäre, daß er trauernd stand vor aller Kultursteigerung, die nicht auf irgendei…

  9. 1927-01-01 · Heft 3 · page 15

    lieh Wahrheit vor Trug, Treue vor Lust, Opfer vor Eigennutz und Demut vor Hochmut gehe, dann ist die Problematik nicht des Höhertreibens, sondern der Auflösung über uns gekommen. Es ist das Vornehme der Einfalt, ihr alter Adel, daß sie Erbg…

  10. 1927-01-01 · Heft 3 · page 16

    die Sache, der es zu dienen berufen ist. In Jakob Burckhardts „Kultur der Renaissance in Italien46 steht ein berühmter Abschnitt vom Erwachen der Persönlichkeit. Das Ich steht groß an den Anfängen des neuen Europas. Wir reden im übrigen hie…

  11. 1927-01-01 · Heft 3 · page 17

    Zu einem großen Teil dadurch, daß er sich selbst nicht sah. Er sah die Sache, der sein Leben galt, und er war dieser Sache so unmittelbar nahe, daß der Abstand fehlte, den die Spiegelung erfordert. Er wußte nicht um sich - aus Nähe, aus der…

  12. 1927-01-01 · Heft 3 · page 18

    so nicht in den Tagen der Renaissance und wieder in denen der universalen Bildung? Ja, er wollte ihn, aber wir sahen ja, daß dieser Schöpfungsversuch, aufs Ganze gesehen, mißlang. Der faustische Mensch im Sinne solcher Allseitigkeit ist im …

  13. 1927-01-01 · Heft 3 · page 19

    gesuclite, neu zu gewinnende Einfalt. Sie liegt dort, wo einem Menschen aus den tausend Widersprüchen des Lebens dies Eine klar und gewiß sich herausgehoben hat: die eine, die große Not meines Lebens ist das verlorene, das eine, das große Z…

  14. 1927-01-01 · Heft 3 · page 20

    ist es, und in seiner Einfalt ruht das Wunder seiner Stärke. Aber was wir bei ihm Einfalt nennen, ist deutlich etwas anderes, als was wir so nennen im Kinde. Seine Einfalt ist nicht Geborgenheit, nicht letzte Willenlosigkeit in Gott, sonder…

  15. 1927-01-01 · Heft 3 · page 21

    einen Augenblick, daß sie dem Kinde in den Fluß nachspringen müssen. Aber die Herkunft dieser schnellen Gewißheit ist seelisch eine verschiedene. Sie entspringt, wie wir vorher sahen, in der Kindeseinfalt der einfachen, unreflektierten Reak…

  16. 1927-01-01 · Heft 3 · page 22

    wie sie das Weltall trägt? Dann könnte uns Manneseinfalt Gleichnis der Kindeseinfalt sein, und doch mehr als nur Gleichnis, doch ihr wesenhaft verbunden, nicht ihr Bild nur, sondern ihre verborgene Wirkung! Und so würde es uns nun auch - ni…

  17. 1927-01-01 · Heft 3 · page 23

    hieße nicht Tiefe, sondern Trübheit. „Laß mich deinen Weg wissen, damit ich dich kenne." Pestalozzis Menschenbildung ist bis in die Einzelheiten hinein durchdrungen von dem Gedanken der Ordnung in Klarheit. ..Der Mensch fand, daß beide Gese…

  18. 1927-01-01 · Heft 3 · page 24

    höchste Erhabene so einfach ist, daß Kinder und Buben meinen, sie können gar viel mehr als nur das" (4, 331). Es ist die strenge Einheit des Ordnungsprinzips, die uns die Erhabenheit des Einfachen empfinden läßt. Auf den Inhalt solchen Ordn…

  19. 1927-01-01 · Heft 3 · page 25

    einer ganzen Bildungsschicht zur Verzerrung werden mußte. Aus dem Universalen wurde das möglichst Viele. Die Kraft des Universalen war Einheit, Ordnung in Ganzheit, die Schwäche des möglichst Vielen ist Vielerleiheit, Unordnung in Zerfahren…

  20. 1927-01-01 · Heft 3 · page 26

    Drang, ist die Kraft der Frage, die Manneseinfalt stärker als im Mittelmaß der Bildung. In dieser ist an die Stelle männlichen Suchens nach Klarheit eine spielerische Beschäftigung mit Bildungsgütern aller Art getreten: die „allgemeine Bild…