Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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wie sie das Weltall trägt? Dann könnte uns Manneseinfalt Gleichnis der Kindeseinfalt sein, und doch mehr als nur Gleichnis, doch ihr wesenhaft verbunden, nicht ihr Bild nur, sondern ihre verborgene Wirkung! Und so würde es uns nun auch - nicht deutlich, aber ahnbar, wie Manneswille um Einfalt ringen kann. Nicht um die Kindeseinfalt selbst kann er ringen, sie ist in der abgrundtiefen Verborgenheit ihres Wesensgesetzes Gottes Werk und Gabe allein. Aber er kann ringen um ihr Bild in der Manneseinfalt, in der Klarheit und Eindeutigkeit, in der „inneren Ordnung" der Mannesseele, in der Mannesstreben sich vollendet. Es ist wie das Ringen des Schwimmers mit den nächtlichen Wellen um das rettende Land. Er sieht nur das Licht des Feuerzeichens. Er will im Grunde nicht das Licht, er will das im Dunkel ruhende Land. Aber ringen muß er um das Licht, bis er auf dem Lande steht. So ringt Manneswille um Manneseinfalt, bis er, gäbe es ein Ende dieses Ringens, dort stünde, wo Manneseinfalt ihr Wesen offenbart als helles Licht des Bewußtseins über der dunkeln, der unbewußten Tiefe der Kindeseinfalt. Wir fragen vorerst nicht weiter nach dem Zusammenhange beider in solcher Tiefe, um uns zunächst den Sinn der Manneseinfalt auf der Ebene des offenbaren Lebens noch deutlicher zu machen. Wie vollzieht sich jenes Ringen des Manneswillens um die Klarheit und Eindeutigkeit des geordneten sittlichen Bewußtseins? Es kann sich nur vollziehen als Ringen um die rechte Ordnung des Inhaltes dieses Bewußtseins. Kindeseinfalt beruht auf der Einheit des Aktes, Manneseinfalt auf der Einheit eines Inhaltes. Einheit des Aktes wird in der Verborgenheit göttlicher Lebenstiefe, Einheit des Inhaltes in jener Klarheit des Geistes, die wir in der Verbindung mit ihrem Gehorsamsanspruch Gewissen nennen. Gewissen bekundet sich ja schon durch die Sprache als eine Art des Wissens, des Bewußtseins in Klarheit. So erkennen wir also nun Manneseinfalt als die geordnete Einheit, die in Klarheit gegründete Eindeutigkeit des Gewissensanspruchs. Wir scheuen hier nicht die Betonung der Klarheit, der Rationalität, trotz unserer Absage an die Aufklärer. Wovon wir uns scheiden mußten, war die Aufklärung der Oberfläche, das Erklingenlassen nur der obersten Klänge des Akkordes. Wir konnten die tieferen Töne, konnten dieFülle des Einklanges nicht missen. Aber die Fülle des Ganzen braucht ja der Klarheit der oberen Töne nicht Abtrag zu tun. Sie darf es nicht. Die Klarheit der Lehre, der Weisung, des Gewissens verdunkeln, 270