Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 2 (1927-1928)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1927-01-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Zu einem großen Teil dadurch, daß er sich selbst nicht sah. Er sah die Sache, der sein Leben galt, und er war dieser Sache so unmittelbar nahe, daß der Abstand fehlte, den die Spiegelung erfordert. Er wußte nicht um sich - aus Nähe, aus der Unmittelbarkeit seiner Verbindung mit der Sache, — aus Einfalt. Zwischen Pestalozzi und dem Zeitalter, an dessen Eingang die „Persönlichkeit" und der „Ruhm" steht, liegt eine Kluft. 3. Manneseinfalt Als wir den Sinn der Einfalt grundlegend uns zu bestimmen suchten, fanden wir sie in ihrer zwiefachen Wesenheit, in Einheit und l nmittelbarkeit, tief hineingegründet in die Ursprünglichkeit des dem \\ alten göttlicher Schöpfung Nahegebliebenen. So wurde sie uns in ihrem zusammengefaßten Bestände zur Kreatürlichkeit, zur Bezogenheit des Geschöpfes auf den Schöpfer, zur durchgängigen Abhängigkeit, ja in (lenkbar reinster Form Willenlosigkeit vor ihm. Von hier aus muß sieh uns sonach nun auch die Erklärung ergeben für jene Entfremdung von der Eiufalt, die wir in der Grundrichtung moderner Geistigkeit zu gewahren meinen c r* c und die wir hier im Paradigma uns anschaulich zu machen versuchten. Diese Geistigkeit ist in ihrem - bewußten oder unbewußten - Grundwillen nicht eine Gott-bezogene, sondern eine Ich-bezogene. Wir sahen ja, durch alle Betrachtungen des vorigen Kapitels hindurch, wie in ihr das Ich gebietet. Dieses Ich verriet sich uns als der zu einem bloßen Bruchteil seines schöpfungsgemäßen Wesens verengte, der „einseitige"* Mensch, in dem der Verlust der Einheit den der Unmittelbarkeit nach sieh zog. Aber dieser Verengung verbindet sich alsbald jene bereits genannte Intensivierung, jene in der Idee unbegrenzte Entwicklung und Steigerung menschlicher Kraft als solcher; selbsteigener, nicht Gott-verbundener, nicht in Schöpfungsnähe gebetteter Menschenkraft. So wurde der ,,/uustische" Mensch, er, der die Moderne schuf in ihrer l'nvergleichbarkeit. Am Anfang dieser Kultur steht nicht, wie dort, die kreatürlichkeit in demütiger Fülle, sondern der Wille in stürmender Einseitigkeit, steht nicht Gott-Vater, sondern der Mensch-Gott: Prometheus. Vor ihm aber flieht die Einfalt. Sie flieht vor ihm in ihrer Einheit und Unmittelbarkeit, flieht vor ihm in ihrer Frommheit. Aber wollte denn nicht gerade Prometheus den Menschen in jener Ganzheit und Fülle, jener Allseitigkeit, in der er Gott schaut? Wollte er ihn 265