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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 3 · page 7

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 3
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 7)
Language
German
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Tiefe ins helle Bewußtsein. Aber der Lauf des Gedankens durchs Bewußtsein von der Quelle bis zum Einmünden in die äußere Wirklichkeit ist nicht immer so kurz wie dort, wo es galt, dem Kinde nachzuspringen. Er kann auch so lang sein, daß Nebenflüsse anderer Herkunft und ariderer Färbung seine Reinheit zu trüben drohen. Ja, konnte nicht sogar bei jenem raschen Entschluß, dem Kinde nachzuspringen, in den Wunsch, dessen Leben zu retten, der fremde Wunsch sich eindrängen, gesehen und gerühmt zu werden? Die Unmittelbarkeit im Auftauchen des Gedankens verbürgt noch nicht die Reinheit bei seiner Verwirklichung. Auch die ursprünglichste Unmittelbarkeit ist auf ihrem Wege durchs Bewußtsein von der Unreinheit des Nebengedankens und des Hintergedankens bedroht. Die Zwiespältigkeit der Motive gehört zu den beschämendsten Frfahrungen des der Wahrheit zugekehrten Menschen. Wo wir von der Zwiespältigkeit des Nebengedankens und des Hintergedankens verschont bleiben, da handeln, da reden, da äußern wir unser Wesen in Einfalt: in der Einfalt der Lauterkeit. Der lautere Sinn aber sichert die Sachlichkeit. Sachlichkeit ist die Bewahrung der Reinheit des Motivs auf dem Wege durch die Gefahrenzone des Bewußtseins. Sachlichkeit richtet allein nach der Sache, nicht nach dem Ansehen der Person. Sie macht keine Unterschiede zwischen Hoch und Niedrig, keine Komplimente. Ihr vornehmstes Amt aber ist die Abwehr der Ehrsucht und der Eitelkeit. Einfalt kennt nicht den Spiegel. Ihre Lauterkeit ist, daß sie nicht sich selbst sieht, daß sie nur Eines sieht: die Sache. In Lauterkeit und Sachlichkeit vollendet sich die Unmittelbarkeit der Einfalt. Die Unmittelbarkeit der Einfalt deckt sich in einem Teil ihres Wesens mit der Naivität. Naivität ist eine l nmittelbarkeit, die mit Weltumvissenheit verbunden ist. Auch die Unmittelbarkeit der Einfalt kann mit Weltunwissenheit verbunden sein, und wo sie es ist, da rückt der Sprachgebrauch sie wieder nahe heran an die Torheit. Aber die Unmittelbarkeit der Einfalt ist nicht notwendig mit Weltunwissenheit verbunden. Auch der Welterfahrene kann, wie wir noch näher sehen werden, die Unmittelbarkeit der Einfalt besitzen, doch niemals die der Naivität. Naiv ist das Kind, naiv war jenes Landmädchen in der Stadt. Umschreibt hier die Naivität den engeren Bezirk, so bezeichnet sie auch wieder einen weiteren. Unmittelbarkeit der Einfalt geht hervor aus © dem Einklang der Kräfte, der Harmonie des Wesens. Es gibt wohl eine

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