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Die Kreatur · 1927-01-01 · Heft 3 · page 14

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
2 (1927-1928)
Issue
Heft 3
Date
1927-01-01
Page
– (sequence 14)
Language
German
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daß er restlos Personwert vor Dingwert, den Menschen, auch den geringsten, vor das Ding, auch das kostbarste, stellte. Das war in seiner Erscheinung das Revolutionäre, daß er trauernd stand vor aller Kultursteigerung, die nicht auf irgendeine Weise in den Dienst der Ärmsten, der an ihrem Menschentum Notleidenden gestellt werden konnte. Und es ist dieses schlechthin Kulturrevolutionäre in seiner Erscheinung, das seine gewaltige Offenbarungskraft bis heute beinahe nur in Außenbezirken des Lebens hat zur Geltung kommen lassen. Dieser große Mensch der Einfalt in Liebe steht bis heute wie ein Fremdkörper inmitten einer Zeitkultur, die auch darum die Einfalt entbehren muß, weil sie im Zusammenspiel der Kräfte die zentrale Bedeutung der Königskraft verkennt: jener Du-Verbundenheit, die wir auf der Höhe ihrer Bahn Liebe nennen. Was bedeutet, so fragen wir zum andern, der Kultur unserer Zeit Einfalt als die Kraft der Unmittelbarkeit menschlicher Lebensäußerung? Unsere Zeit steht unter dem Zeichen der „Problematik". Es liegt uns fern, sie darum zu schelten. Das Fragen ist ihr Schicksal. Auch vergessen wir nicht: das Problem darf nicht fehlen, wo der Mensch einem hohen Ziele entgegengeführt werden soll. Aber es ist ein Unterschied zwischen den Problemen. Es gibt ein Problem, das aus dem Ernst, und es gibt ein solches, das aus der Schwäche geboren ist: aus der Schwäche der Xnstinktlosigkeit, der verlorenen Unmittelbarkeit. Wo rechnendes oder schweifendes Denken in der Einseitigkeit seiner Herrschaft die andern Kräfte des Menschenwesens hat verkümmern lassen, wo in der Seele nicht mehr der Einklang des Ursprungs ist und nicht mehr die Fähigkeit, aus der Fülle und Tiefe heraus den Anruf des Lebens unmittelbar zu beantworten; wo es das Tiefen wunder der Mütter nicht mehr gibt und nicht mehr den leuchtenden Blitz des Mutterwitzes, und wo in solcher Einseitigkeit und Verkümmerung die Gedanken träge sich schleppen und die Zweifel lahm im Kreise gehen: da ist das Problem, das nicht aus dem Ernst, sondern aus der Schwäche geboren ist. Aus der Schwäche des Unglaubens an jene letzten, starken, einfachen Grundnormen des Lebens, die keine Problematik errechnet, die wir entweder mit der unmittelbaren Kraft des Glaubens ergreifen oder mit der Unkraft des Unglaubens aus der Hand lassen. Wenn wir anfangen, uns ernsthaft zu fragen, ob wirk- 262

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