Mannheim
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19261929
  1. 1926-01-01 · Heft 3 · page 75

    sehen Sinne. Gerade, daß diese Unterscheidung noch schwebt, zeigt deutlich die Unfähigkeit des rein objektiven Es-Denkens (welches das naturwissenschaftliche ist) den Schmerz richtig zu denken, nämlich eben als schwebende Entscheidung zwisc…

  2. 1926-01-01 · Heft 3 · page 76

    nis; Phänomenologie, Physiologie und Biologie stehen unwissend vor der Verkettung der Zeugung und Erziehung mit dem Schmerz. Und so muß endlich ganz klar werden, daß wir nicht nur sagen müssen, was der- Schmerz eigentlich ist, sondern auch …

  3. 1926-01-01 · Heft 3 · page 77

    Attraktion der Naturkräfte, sondern nach der Ordnung des Lebens, der Ordnung der lebendigen Aneignung und Enteignung, der Ordnung der Wahrhaftigkeit des Zu-eigen-seins. Und hier ist ein neuer Schritt zürn Begreifen der Schmerzen getan : nic…

  4. 1926-01-01 · Heft 3 · page 78

    Wachstum weh tun. Und wieder ist hier Entscheidung möglich und dem Arzte notwendig. Er muß ein Schmerzkundiger sein und muß die Schmerzen recht unterscheiden können. Denn hier wird ja seine Lage kritisch, seine Hinwendung zum Schmerz zwiesp…

  5. 1926-01-01 · Heft 3 · page 79

    aber sie ist solange unsichtbar, als der Schnitt nicht trennt,als der Schmerz nicht entbrannt ist: diese Ordnung ist eine schlafende Ordnung. So spüren und entdecken wir ja unser Organ, sei es Magen oder Herz, oft erst, wenn es schmerzt, so…

  6. 1926-01-01 · Heft 3 · page 80

    das Denken, nicht der Geist sind seine Sache. Ein technisch gestimmtes Zeitalter gibt ihm recht und vereinfacht diese Sache, die im Aufbau des ärztlichen Studiums noch so kompliziert erschien. Es gibt Methoden, um Schmerzen zu beseitigen: z…

  7. 1926-01-01 · Heft 3 · page 81

    Es ist ein ungeheures Vorurteil, daß ein Schmerz überhaupt von etwas kommt. Wir wissen freilich, daß, wenn ich dort die Haut steche, es weh tut. Aber lange nicht immer. Wenn ich abgelenkt bin, wenn ich in Hypnose bin, tut es nicht weh. Und …

  8. 1926-01-01 · Heft 3 · page 82

    selbst sei. Es ist eine analytische Hypothese, daß hier eine Energiemenge in eine andere Form verwandelt werde, etwa eine Affektmenge in eine motorische Menge, wenn der Leidende sich austobt und sich ausschreit. Die Energiemengen können dab…

  9. 1926-01-01 · Heft 3 · page 83

    zwischen denen die Schmerzarbeit entscheidet und von deren Polarität der Schmerzzustand weiterführt zur Ent-Scheidung der Person. Denn das Ergebnis der Schmerzarbeit ist Ent-Scheidung: Wiederherstellung der Einheit des Selbst mit sich nach …

  10. 1926-01-01 · Heft 3 · page 84

    nur ein Ich, aber auch noch nicht ein — Er. Der Böse - war er hier schon anwesend in diesem Status generandi? War er der Mittler zwischen Ich und Es? — Wir wissen wohl, daß es böse Schmerzen gibt, aber es will uns nicht in den Sinn, daß ein…

  11. 1926-01-01 · Heft 3 · page 85

    Menschen aus. Die Erzählung des Kranken kann der Psychologe einen Wahn nennen; er ist dann ein naher Verwandter des Mythos. Aber der Mythos hat die Besonderheit, als Erzählung wahrer zu sein als die Psychologie, wenn er statt von dem normal…

  12. 1926-01-01 · Heft 3 · page 86

    und in uns, was nicht sein soll, was einer gebotenen Ordnung widerstrebt. Nicht Naturmächte sind im Kampfe in diesen Urerlebnissen der leidenden Kreatur, sondern das Kreatursein wird in seiner Eigentümlichkeit sichtbar eben in diesem Leiden…

  13. 1926-01-01 · Heft 3 · page 87

    Affekt, die Liebe „eigentlich" ein Trieb, alle diese eigentlich irgend etwas anderes als sie selbst; das Selbstsein sei eigentlich und wesentlich offenbar erst im Anderssein (Hegel). Bis hin zu der Vermessenheit, der Mensch sei eigentlich e…

  14. 1926-01-01 · Heft 3 · page 88

    Nach der Naturordnung müssen die Lebewesen einander töten oder selbst sterben. Täglich zerfetzen und zersetzen Zähne und Fermente die zarten Gebilde organischer Leiber. Die Schmerzen der Niederen kommen zu den Höheren zurück. Bakterien räch…

  15. 1926-01-01 · Heft 3 · page 89

    den. Damit ist zugestanden, daß eine medizinische Anthropologie nicht in sich allgemeingültig sein kann; sie kann methodisch in sich beruhen, aber ihre Geltung hat keinen Halt in sich selbst. Damit ist ein neues Blatt für sie aufgeschlagen.…

  16. 1926-01-01 · Heft 3 · page 90

    EDUARD STRAUSS FRANZISKUS 2. Werk und Gestalt Aus zwei Wurzeln, tief in das Erdreich der Geschichte eingesenkt, ist der Stamm des Franziskuslebens emporgewachsen; dreifach hat ihn schicksalhafte Zucht zu seinem Licht gereckt; jetzt entsprie…

  17. 1926-01-01 · Heft 3 · page 91

    haft und bleibt allem Theologischen fern; selbst wenn ihm nicht nur die Bußpredigt, sondern auch der dogmatische Vortrag von der Kirche verstattet wäre, würde Franziskus Glaubenssätze und gedankliche Begrün- 7 © r> düngen nicht einmal aussp…

  18. 1926-01-01 · Heft 3 · page 92

    Franziskus, der heilige Dilettant, „kann" nur dies Eine und er spielt es in seine Zeitlichkeit hinein: sich, den evangelischen, den erlösten Mensehen, der bei allem ewigen Vorgang wirklich dabei ist. Damit gewinnt dies Schau-Spielen in des …

  19. 1926-01-01 · Heft 3 · page 93

    benen Bewußtseinslage, die stetig einem letzten und höchsten Gipfelpunkt zustrebt. Der im Alltag Erhobene erscheint an einen Strom der Ekstase dauernd angeschlossen, dessen Wellen jeden Augenblick seines Lebens durchdringen. Deshalb ist auc…

  20. 1926-01-01 · Heft 3 · page 94

    bewährende Sendung. Auf dem wohl einzig nach den Zügen des Lebenden gefertigten Bilde des „Bruders" Franziskus in Subiaco trägt er in der Linken ein Blatt mit der Aufschrift „Pax huic domui". „Friede und Heil" - der Gruß der Reichsgottes-An…