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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 94

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 94)
Language
German
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bewährende Sendung. Auf dem wohl einzig nach den Zügen des Lebenden gefertigten Bilde des „Bruders" Franziskus in Subiaco trägt er in der Linken ein Blatt mit der Aufschrift „Pax huic domui". „Friede und Heil" - der Gruß der Reichsgottes-Ankündigung ist seine erste Gabe: mit ihm versöhnt er die streitenden Parteien seiner Vaterstadt. Unter seinen Schiedsspruch stellen sich die „Höheren" und die „Niederen" und vereinigen sich zu einem Vertrag, in dem sie sich zu einträchtigem Handeln gegenüber Kaiser und Papst verpflichten; die Adligen verzichten auf ihre Lehensvorrechte, die Dorfbewohner erhalten das gleiche Recht wie die Städter. Hier wirkt sich heiliges Leben und erneute Gesinnung des Gottesreichs dem politischen Leben und den Formen des Staates ein; es gestaltet ^ich eine christliche Demokratie - in einem mehr als politischen Sinn - und ohne daß der erste Beweger selbst schon zum „Politiker" wird. Das Alles geschieht fast nur durch die bloße Berührung mit ihm; seine einfache Gegenwart in dieser kampferfüllten Welt zähmt das wilde Tier des Streites - so wie der Heilige den Wolf von Gubbio bändigt und die Dämonen von Arezzo austreibt. Der Welt der Macht gehört der Mann des Friedens nicht an: dem Kaiser, der sein Heimatland durchzieht, begegnet er nicht. Nur einen Bruder sendet er zu ihm, der ihn warnend an die Vergänglichkeit des Irdischen gemahnen soll. Zur gleichen Zeit findet Franziskus auch, vom eigenen Grundsatz angeleitet, seiner Gemeinschaft den bezeichnenden Namen: „sint minores"- Mindere sollen ihre Angehörigen sein, Minderbrüder. So tragen sie fortan den Namen jener Volksschicht von Mühsehgen und Beladenen, die mit den Herrschenden ihrer Stadt den Friedensbund geschlossen haben. Der Name nennt die tiefe Quelle, die die franziskanische Bewegung speist: die Demut unter jeder Last, die Armut an allem Besitz. Wenn auch schon vor dem Auftreten des Franziskus die Besitzlosigkeit des Einzelnen neben Keuschheit und Gehorsam als Gelübde der Mönche nach der Vorschrift Benedikts gebildet hat und die Laienbrüderschaften der Waldenser, der katholischen Armen und der Humiliaten in Armut zu leben entschlossen waren, so hat die franziskanische Armut doch einen anderen, einen endgültigen Sinn. „Endgültig" ist ja wrohI auch der Sinn der Armut, wie ihn die buddhistischen Mönche kennen; der aber entführt den Sichbefreienden in Welt Verneinung und -Vernichtung. Die Armut des Franziskus steht, hierzu im vollen Gegensatz, unter der Offenbarung: Vollendung der Welt 340

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