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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 92

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 92)
Language
German
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Franziskus, der heilige Dilettant, „kann" nur dies Eine und er spielt es in seine Zeitlichkeit hinein: sich, den evangelischen, den erlösten Mensehen, der bei allem ewigen Vorgang wirklich dabei ist. Damit gewinnt dies Schau-Spielen in des Wortes wörtlichstem Sinn seine Tiefe; das ganze Tun und Treiben des Franziskus geht in den erzählbaren Tatbestand, in das Geschehene der christlichen Urkunde ein, und dieses wiederum wird - plastisch dem flutenden Wandelbild der Zeitlichkeit eingewirkt und über den Evangelienbericht hinaus aus der Lebendigkeit selbst bereichert - zur Schau von etwas jetzt Geschehendem, mit und neben dem, was stets gegenwärtig im Sakrament des Altars sich vollzieht. Hier wird deutlich, daß dies „Spielen" mehr ist, als etwa eine bloße Unterstreichung der Bußpredigt; „tut Buße" ist nur des kündenden Satzes eine Hälfte - die andere aber bringt das Reich der Himmel in nahe Sicht: und auf sie kommt es an. Das ewige Volk braucht nicht so zu spielen - und kann es nicht: seine dauernde Geschichte selber ist ja, was das christliche Ereignis ein für allemal gewesen sein will: Heilsgeschichte, die, wie eben Geschichte, einfach geschieht. Hier aber muß geschehenes Ende, muß das „Drama Gottes" wieder von Menschenaugen gesehen werden, müssen aus Zuschauern Gläubige werden : und so wird, von der nicht mehr untergehenden Sonne des christlichäußersten, höchsten Tages belichtet und belebt, ein Stück Gegenwart mit Land und Leuten, mitsamt Gewand und Gebärde zur Bühne des Heils. Dem vor aller Augen und Ohren Sichtbaren und Hörbaren entspricht grundlegend im Bewußtsein des Franziskus überirdische Erscheinung: ihm musizieren Chöre der Himmlischen. Zu den Melodien, die sein inneres Ohr in Verzückung vernimmt, spielt er selber sich auf: wie Kinder tun, geigt er mit zwei kleinen Hölzchen zu den nur von ihm gehörten Klängen, bis das Spielzeug den Händen des Entrückten entfällt - zu solcher Seligkeit, die doch wach und irdisch bleibt, wie das Wach- und Wirklichsein des Kindes, steigert sich die Fröhlichkeit seines Gemüts. Nun wird aber der Verlauf dieses Lebens nicht durch jene großen seelischen Katastrophen überflammt und gebrochen, die den Menschen jäh in die Abgründe des Himmels schleudern, darin der Sturz zum Flug wird; was - außer einer allerdings einzigartigen - von ekstatischen Begebenheiten berichtet ist, hat einen fast „normalen66 Charakter, und auch die Stufenfolge der drei wandelnden Ereignisse bildet nur auszeichnende, richtungweisende Spitzen in der seelischen Höhenlandschaft einer an sich schon immer geho- 338

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