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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 93

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 93)
Language
German
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benen Bewußtseinslage, die stetig einem letzten und höchsten Gipfelpunkt zustrebt. Der im Alltag Erhobene erscheint an einen Strom der Ekstase dauernd angeschlossen, dessen Wellen jeden Augenblick seines Lebens durchdringen. Deshalb ist auch sein Beten von besonderer Art; es ist nicht das Verstummen des Mystikers, sondern ein stetes Mitsingen im Chor der Erlösten, und Franziskus ist, wenn er zu seinem Gott spricht, nicht mehr „nur ein Beter, sondern ein zum Gebet Gewordener". Man könnte das erklären wollen und könnte versuchen, es zu einer Kette von leibseelischen Ursachen und Wirkungen zusammenzuschweißen : doch nur dann, wenn das Ganze in der Zuständlichkeit des Nurpersönliehen verbliebe. Diese Möglichkeit verliert aber ihr Recht als Deutung, da das zuständliche Hinleben in die Gemeinwelt eingesenkt ist und sich unausgesetzt im Wirken nicht etwa bloß magisch verdinglicht, sondern lebend bewährt. Indem es tatkräftig ist, wird es Lebenswerk, das nicht abgeleitet werden kann, sondern als sinnvoll aufgehellt werden muß: Franziskus, der sichtbare Christ, ist als Gestalt der Geschichte zu deuten. ★ ★ ★ Drei schlichte und große Dinge schenkt er seiner Welt: nicht, als ob es diese Dinge nicht bereits irgendwie gegeben hätte; Franziskus hat nichts entdeckt und nichts erfunden. Der Mann, der sich in tiefster Selbsterniedrigung einen Idioten, einen ganz Kleinen, ein „armes Kerlchen" - wie sollte man das Wort „poverello" wiedergeben? - nennt, hat nichts Blendendes an sich. Und doch geht eine Wirkung von ihm aus, die seinen Mitlebenden den Aufgang von Zeichen und Wunder geradezu in die Augen zwingt: er ist in Wahrheit das Gebilde ihrer tiefsten Sehnsucht, das stärkst Verlangte ihrer eigenen Seele, der er genau gleicht - die er selbst, schon im Lichte der Erlösung, ist. So wird das Höchste für seine Menschen, die ihn den ,,Bischof unserer Seelen" nennen, an ihm sichtbar und so kommt durch ihn erneute Bindung der Völker an ihre Kirche zustande. Jene Dinge aber werden durch die leibliche Hand, die sie darbietet, durch den Menschen, der sie gänzlich als Eigen besitzt und dem sie solcherart in Fleisch und Blut übergegangen sind, daß er sie als das wirklich Seinige und in seinem Namen geben kann, wahrhaft zum Geschenk an \ ölker und Kirche: als Gabe neu - nicht als Erfindung. Von dem kleinen Häuschen in Rivotorto, nahe bei Assisi, w o Franziskus mit seinen Brüdern nach der Romfahrt Aufenthalt nimmt, ergeht erste 33<J

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