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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 83

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 83)
Language
German
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zwischen denen die Schmerzarbeit entscheidet und von deren Polarität der Schmerzzustand weiterführt zur Ent-Scheidung der Person. Denn das Ergebnis der Schmerzarbeit ist Ent-Scheidung: Wiederherstellung der Einheit des Selbst mit sich nach Ausstoßung eines Es. Die Art des Es ist nun charakteristisch, denn es ist ein Negativ, eine abgelegte Haut des Charakters, und so sein Weltbild. Es ist nicht gleichgültig, es ist bestimmend für jemand, wie er mit seinen Schmerzen gelebt hat, und dies ist nun die andere Ansicht, die wir von der Schmerzordnung des Lebens gewinnen. Wie man sagen kann: wo Schmerz auftaucht, da ist ein lebendig-wahres Gefüge, so auch kann man sagen: wo Schmerz vergeht, da hinterläßt er eine unauslöschbare Spur davon, ivie er verging: er hinterläßt ein steinern Bild, wo vordem Lebendiges war. Es muß wohl die Tatsache der Entscheidung sein, wodurch der Schmerz zur Qual wird. Der erzogene Mensch spürt auch schon eine Forderung, die der Schmerz bringt, die Ahnung eines „du sollst*4. Die Qual der Wahl aber zwischen Starksein und Schwachsein gegen den Schmerz ist von früh an im Schmerz enthalten. Starksein oder Schwachsein wird nicht als Pflichtwahl zuerst erlebt, sondern als ein Sein im Schicksal, als ein unauflösbares Zueinander von Begegnung und Entschluß, als zwiespältige Einheit von dem was mir geschieht und dem was ich tue. So ist die Qual älter und göttlicher als der Schmerz, wenn das Schicksal älter und göttlicher ist, als das bloße Geschehen. Wie auch, wenn jemand sagt „du tust mir weh", er nur hinnimmt oder kämpft, wogegen jemand, der sagt „du quälst mich", schon anfängt zu hadern und zu hassen. - Und so entspringt ein neues Wissen um die Schmerzen: der Schmerz ist mitnichten nur eine Empfindung; er ist mitnichten nur ein Gefühl; mitnichten nur ein Affekt der Unlust. Nein, der Schmerz ist auch etwas, was nicht sein soll, er ist etwas Böses, und er kommt von etwas Bösem. Wir fanden es schon, er kommt nicht nur von außen, er kommt ja auch von innen; es ist nicht wahr, wenn man sagt, er komme von der Brennessel, der feindlichen Kugel, vom Zufall, sondern er kommt auch vom Ich her. Da er aber so mein Schmerz ist, so steckt sein Böses auch - in mir?! So schwebend in der Entwindung zwischen Ich und Es muß sich auch entscheiden, auf welche Seite dieses Böse fallen wird: „in schwebender Pein4* wird das Böse noch unentschieden erfahren, und so wird uns der Schmerz zur Pein; so i-t Pein also ein Böses in statu generandi: noch nicht ein Es, auch auch nicht ol! 9

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