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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 77

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 77)
Language
German
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Attraktion der Naturkräfte, sondern nach der Ordnung des Lebens, der Ordnung der lebendigen Aneignung und Enteignung, der Ordnung der Wahrhaftigkeit des Zu-eigen-seins. Und hier ist ein neuer Schritt zürn Begreifen der Schmerzen getan : nicht die Wahrnehmung, nicht die Phänomenologie, nicht die Analyse der Psychologie allein gestattet zu sagen, was eigentlich ein Schmerz sei, wenn nicht zuvor gesagt ist, ito, an welcher Kittlinie der Lebensordnung er auftaucht, diese Linie grell beleuchtend. Dem Sitz des Schmerzes in der Lebensordnung müssen wir also nachspüren oder: am Ariadnefaden der Schmerzen ist ein Gefüge der Lebensordnungen aufzuspüren, derer nämlich, welche eine fleischgewordene Wahrheit, die Fleischuerdung einer Wahrheit anzeigen, nämlich einer Lebenswirklichkeit; denn ein Schmerz kann nur dort auftauchen, wo eine echte Zugehörigkeit bedroht, ein echtes Zeugungsopfer gespendet wird. So wird die Wahrnehmung des Schmerzes verwandelt in eine Kritik der Wirklichkeit, in ein Instrument der Scheidung von echt und unecht in der Erscheinung des Lebendigen. Da ist die Trennung von mir und meinem Zahn, von meinem Finger und meiner Hand, die Trennung zwischen mir und meinem Kind, zwischen einem König und seinem Volk, Trennung von meiner Jugend, von Haus und Hof, von Gewohnheit, von Glauben, die Trennung von Gott. Wo diese Trennungen schmerzen, da waren die Bindungen eeht und Fleisch geworden. Und dort, wo ein Mensch Schmerzen leiden kann, dort ist er wirklich da, dort hat er - wissend darum oder nicht wissend - auch geliebt. So öffnet sich ein Blick ins Weltgefüge: wo Seiendes schmerzfähig ist, da ist es wirklich gefügt, nicht nur ein mechanisches und räumliche* Nebeneinander, sondern ein wirkliches, d. h. lebendiges Miteinander. I nd so kommt es zur neuen Stufe unserer Schmerzerkenntnis: es ist ein Gefüge da, eine Ordnung, die nicht schmerzlos gestört werden kann. Ist es die Ordnung der Natur, des Geistes, der Seele? Ist sie Gesetz oder Person? Notwendig oder frei? Läßt sich die Antwort auf diese Fragen denkend ergründen? Es muß die Ordnung des lebendigen Zusammenhanges alles Lebendigen sein; das Leben ist gegliedert in seine Schmerzfähigkeit, hängt mit den Gelenken einer Schmerzordnung in sich zusammen. Lud ein zweites bleibt bestehen: es gibt einen Zerstörungsschmerz, aber auch einen Werdeschmerz; wie die Vernichtung eines Güedes weh tut, so kann auch sein

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