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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 82

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 82)
Language
German
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selbst sei. Es ist eine analytische Hypothese, daß hier eine Energiemenge in eine andere Form verwandelt werde, etwa eine Affektmenge in eine motorische Menge, wenn der Leidende sich austobt und sich ausschreit. Die Energiemengen können dabei auch aus ganz verschiedenen Quellen stammen und ganz unvergleichbarer Art sein. Vielmehr ist die Schmerzarbeit nicht wesentlich Umwandlung von Energie, sondern wesentliche Entscheidung. In ihr wird entschieden, welcher Art die Entwindung sein wird, und so ist die Schmerzarbeit eigentlich eine Entscheidungsarbeit, die energetisch nicht ausdrückbar ist. So sagt z. B. Mark Aurel vom Schmerz: „Ist er unerträglich, führt er auch den Tod herbei; ist er anhaltend, so läßt er sich auch ertragen. Wenn nur die Seele dabei an sich hält, bewahrt sie auch ihre Ruhe und leidet keinen Schaden. Die vom Schmerz getroffenen Glieder mögen dann, wenn sie können, sich selbst darüber aussprechen." Die stoische Schmerzarbeit ist hier deutl'ch eine Objektivierung: man sieht von seinem Schmerz nicht weg, sondern man rückt ihn von sich ab und sieht ihm gleichsam zu, wie man einem Vogel im Käfig zusieht, einem Wasserfall zuhört. - Eine ganz andere Haltung ist dagegen diese: man sieht ihm „ins Auge", wie man einem Feind oder einer Geliebten ins Auge sieht; dies ist dann nicht Objektivierung, sondern Kampf, der mit Aneignung oder Vernichtung enden wird. Denn entweder wird dann mein Schmerz mich überwältigen und ich werde von ihm wie ausgegossen, bis zum Rande von ihm gefüllt, ihm völlig übergeben sein, oder er wird mein Bruder und Geselle werden, mit dem ich wandle und der mein Leben bewegt und erregt, mein Stachel und so mein Kraftspender, den ich nicht lassen mag. Und eine dritte Form der Entscheidung wird diese sein, ob ich den Schmerz haben oder beseitigen will: durch Trieb bestimmt, kann ich ihn selbstquälerisch erzeugen und halten, durch Trieb bestimmt auch auf keine andere Stimme hörend ihn mit allen Mitteln verdrängen und verjagen. Schmerz zwingt aber noch zu einer wesentlichen Entscheidung: Zeigen oder Verbergen. Er macht aufschreien, aber auch verstummen, macht rasen oder erstarren; man klagt oder man zieht sich zurück, sucht Gesellschaft und Sympathie oder Einsamkeit und Nichtbeachtung. So entspricht dem Zwang zur Hinwendung oder Abwendung hier ein Zwang zu Zeigen oder zu Verbergen. Objektivierende, hingebende und triebgewollte Haltungen also sind es, 328

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