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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 61

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 61)
Language
German
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Gefühl für objektive Gesetzlichkeiten, für Gesetze, die nicht \ erletzt werden dürfen, abgesehen von allem Praktischen, die kein praktisches Absehen haben, wird damit nicht erzogen. Bürgerlich erziehen! Zu Menschen erziehen! Wirklich entschlossen scheint man zu keinem von beiden. So erzieht man zu Bürgern mit unklaren L nsicherheiten und Velleitäten; und zu Naturalisten, mit den Unsicherheiten und Dreistigkeiten, die der Naturalismus immer hat. Man kann sagen: es wird zu Menschen erzogen, in ein zufällig aktuelles ausgeartet Bürgerliches abgemildert - und es wird zu Bürgern erzogen, in ein ebenso zufälliges naturalistisch Menschliches - will hier heißen ein Widerbürgerliches - abgemildert. Es ist verhängnisvoll, die Erziehung zur Gehaltenheit an dieser praktisch-politischen Seite zu beginnen. - Der Mensch kann ohne das Anklingen seines religiösen Wesensgrundes nicht erzogen werden - hier scheint derselbe von Anfang an überflüssig gemacht. Es wird drastisch, daß wir in einer Zeit leben, einer Atmosphäre, Leben>krt-iseu, die, soweit das Christentum sie nicht mehr hält, nicht einmal ein W ort haben für die dunkle Lebenspotenz, die das Mittelalter die unsterbliche Seele nannte. Mit dem Praktischen ist noch vieles vereinbar, was mit dem Menschen nicht mehr vereinbar ist. Man will unbürgerlich erziehen, man erzieht aber nur zu Bürgerlichkeiten, die paradox stehen zu gegebenen, bisherigen Bürgerlichkeiten. Man erzieht unbürgerliche Bürger. Sich mit dem Lehrer kameradschaftlich zu prügeln ist nicht unbürgerlich, sondern liegt ganz nur als etwa> zu dem Bisherigen Paradoxes - in der bürgerlichen Ebene. Die Seele er- O C? heben ist überbürgerlich. Und es scheint, daß durch die neuen Methoden das Bürgerlichste von allem Bürgerlichen nicht überwunden wird: der Gedanke, daß das Leben, das furchtbare herrliehe Leben, eine leicht zu habende Sache ist. Man hält vielleicht hier wie in dem ganzen Bereiche des Intellektchaos, dies: zum Menschen erziehen auch für eine billige, mit einigen Negationen, die man vor den Bürger setzt, zu erreichende Sache. Der alles dominierende Gedanke ist: Tradition abreißen; und das ängstlich Vermiedene ist alles, was einem Druck ähnlich sehen könnte. Der Mensch ist von Natur gut, man lasse ihn gewähren. Man vergißt, daß auch das von Natur Gute gepflegt sein will, reifen will. Daß die Bestimmbarkeit des jugendlichen Menschen, die man nicht aus der Welt schaffen 307

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