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Die Kreatur · 1926-01-01 · Heft 3 · page 59

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Kreatur
Volume
1 (1926-1927)
Issue
Heft 3
Date
1926-01-01
Page
– (sequence 59)
Language
German
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sie haben das Gesetz zu hüten und zu repräsentieren, ein objektives Gesetz! - ob das in harter Form geschieht, ist hier eine beiläufige Frage - und das Kind hat sich zu unterwerfen, zu verehren und zu gehorchen. „Wer sein Kind lieb hat, züchtigt es" - um des Gesetzes willen. Die Erzieher sind die Repräsentanten von etwas Objektivem. Menschliche Hände sind ungetreue Hüter und es ist in der Behütung dieses objektiven Gutes nicht anders gegangen, als es sonst in menschlichen Dingen geht. Die Gesetzesbewahrer sind vielfach die Willkürherren geworden, das Gesetz wurde ebenso oft äußerliches Schema, es war ein subjektiv-willkürliches Drücken auf die Jugend da, ohne das Verantwortungsgefühl, das der Kern der alten Ideologie war; ein herrisches Drücken und Beherrschen, aus dem das Kind nichts lernt und das das Kind verdirbt, wie es denn immer verdirbt, unter einer Willkür zu stehen. Gegen dieses Unterwerfen wurde schließlich von zwei Seiten her gefragt. Einmal: warum gehorchen? Dann aber auch: jeder Befehlende, der nicht ein Repräsentant ist, ist nichts; das sprach in den Erziehenden, die sich selbst in Frage zogen: „Ich fühle mich nicht so vollkommen, um meinem Kinde zu befehlen'4 - man konnte dies öfter sagen hören; dies, womit die ganze Erziehereinstellung und -aufgäbe völlig verkannt ist. Man will das Gesetz nicht mehr sein; man will die Respektsperson uieht mehr sein; in dem Sinne, in dem das hier abgelehnt wird, hat man es nie sein sollen! Das ganze Intellektchaos steckt in diesem Wort: die Menschen finden über ihre zufällige Subjektivität nicht hiiu us. Man will die starre Autorität nicht mehr sein. Die Eltern denken in diesem Verzicht - denn ein persönlicher Verzicht ist gemeint und eben darin liegt die völlige Verkennung der Aufgabe - an das, was sie in ihrem zufälligen Wesen sind, nicht aber an das, was das Kind werden soll, wozu zu helfen die Aufgabe ist. Denn die Verehrung der Eltern soll da sein nicht um der Eltern willen, sondern um des Kindes willen. Sie sollen die Aufgabe sehen und ihre Unzulänglichkeit mit dem Herrgott abmachen, aber nicht mit dem Kind, dessen Anspruch an sie ein unbedingter ist. Eltern und Lehrer sollen eine äußere Normwelt nicht sein, sondern sie sollen dem Kinde eine innere Normwelt spürbar machen; oder besser: das Spüren davon, das in dem Kinde ist, behüten; das statische Organ des Kindes stärken und behüten; dieses: es ist objektives Gesetz da in uns und in der Welt, das wir aufnehmen müssen, wenn wir Menschen sein wollen; über das ein 305

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