Die Kreatur
- Journal
- Die Kreatur
- Volume
- 1 (1926-1927)
- Issue
- Heft 3
- Date
- 1926-01-01
- Page
- – (sequence 68)
- Language
- German
- Belongs to
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mentanen Affiziertheit folgt — diese kajoliert wird —, sich seine eigentliche Spontaneität leicht entdeckt, eben die, durch die die Handlung fruchtbar ist. Im mechanischen Gehorchen wird die Spontaneität des Kindes unterdrückt, hier aber kann sie überwischt und verschleudert werden, ehe sie herauskommt. Diese ihre Pseudo-Gestalt ist eine Gefahr, grade wie die Unterdrückung es ist. Der Erziehung ist es Aufgabe, durch ein warmes Anleiten die Spontaneität dahin zu behüten, daß sie sich selbst entdeckt. Erziehung kann dem Kinde nur geben, was es auch selbst finden könnte, „sie gibt ihm dasselbe, nur leichter" (Lessing). Ausschalten wollen, daß der Erzieher jene Veranlassungen gibt, heißt dem Kind eine wertvollste Hilfe entziehen, die es gerade in dem zarten, empfänglichsten Alter bekommen sollte. Innerste und Wesensspontaneität des Kindes wird frei durch das Handeln, sie ist durchaus nicht immer frei von Anfang an. Spontaneität ist nicht ein so leicht besessenes Ding, sie ist auch bei den Erwachsenen nicht immer frei, sie ist oft eingeklemmt bis an ihr Lebensende: bei solchen, die ihr Leben lang ihren Affiziertheiten nachgegangen sind, wie bei solchen, denen zuviel befohlen worden ist. Auch die Liebe zum Erzieher, die Liebe zu den Eltern, aus der - wie man manchmal hört - das Kind handeln soll, trägt die Gefahr von Unselbständigkeit und bloßer Affiziertheit in sich. Wir wollen zur Selbständigkeit erziehen; auch jene Liebe dürfte nur sehr vorsichtig einmal benutzt werden. Es ist in dem Beispiel nicht gedacht, daß das Kind nur aus „Liebe zur Mutter" gehorcht. Wie und warum ein Kind gehorcht, ist sehr schwer zu sagen. Man darf vielleicht andeuten, daß in dem Gehorchen immer ein dunkles Gemeinsamkeitsgefühl der beiden mitbestimmend ist, das weiter, menschlicher ist, als nur die Liebe der beiden zueinander. 314