Mannheim
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  1. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 4

    344 Der Gott der Gerechtigkeit. als sie zusammen mit Moses und Ahron von Pharao die Freilassung Israels erbitten sollten, aus Angst einer nach dem anderen zurückblieben, darum auch bei der Offenbarung am Fuße des Berges bleiben mußten. 2a. …

  2. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 5

    Der Gott der Gerechtigkeit. 34S 3a. Und endlich: was in den Weisheitsbüchern unserer Bibel an religionsphilosophischen Fragen aufgeworfen wird, es dreht sich einzig und allein um das Problem der Theodicee der Gerechtigkeit Gottes. Gottes Da…

  3. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 6

    346 Der Gott der Gerechtigkeit. kann das Grundgesetz des gereckten göttlichen Waltens nicht aus der Welt schaffen. 2b. Die ganze Gesetzgebung wird nicht minder als Gnadengeschenk Gottes aufgefaßt, als ein Segen, der Israel beglücken soll. E…

  4. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 7

    Der Gott der Gerechtigkeit. 347 auf diese kurze Formel ist das ganze Buck Hiob, die Psalmen und alle anderen Stellen der Bibel zu bringen, in denen mit diesem Problem gerungen wird. Aber wiederum diese Liebe wurzelt in der Gerechtigkeit Got…

  5. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 8

    348 Der Gott der Gerechtigkeit. Auf den Kosmopolitismus und das Humanitätsideal um die Wende des 18. Jahrhunderts, die in der klassischen Philosophie und Dichtung Deutschlands ihren höchsten theoretischen, in der französischen Devolution un…

  6. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 9

    Der Gott der Gerechtigkeit. 349 Deutschland blieb ohnmächtig, und Frankreich verblutete sich in seinen Kriegen für die Verbreitung der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Der überspannte Altruismus, die Liebe zur Menschheit hatte nicht…

  7. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 10

    350 Der Gott der Gerechtigkeit. in einem früheren Aufsatz1) ausgeführt, daß alle Kundgebungen, die in diesem Kriege erlassen wurden und mochten sie auch von den ungeheuerlichsten Verleumdungen strotzen, letzten Endes ein Appell an das allge…

  8. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 11

    Der Gott der Gerechtigkeit. 351 lieh. Bei allen Völkern waren die Vertreter der Intelligenz die treibende Kraft. Vorwiegend von dem Gefühl der Liebe beherrscht und berauscht sehen wir sie bei den Gegnern. Die Liebe zum Vaterland in erster R…

  9. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 12

    352 Der Gott der Gerechtigkeit. Gebots der Feindesliebe auch in dieser Zeit aufrechterhalten, indem man an die Arbeit des Roten Kreuzes für die Verwundeten, an die edle Behandlung der Gefangenen erinnert. Aber das ist doch eine gründliche E…

  10. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 13

    Der Gott der Gerechtigkeit. 353 diese Überzeugung eine Folge reiflicher Überlegung sein oder dem Überschwang ihres Gefühlslebens entspringen. Für alle unsere Gegner ist das subjektive Bewußtsein von der Gerechtigkeit ihrer Sache nachzuweise…

  11. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 14

    354 Der Gott der Gerechtigkeit. nicht jedermanns Sache, für eine freie Meinungsäußerung ein — letzten Endes doch völlig zweckloses — Martyrium auf sich zu nehmen. (In Italien wurde ein Soldat, der das Vorgehen seines Staates eine Infamie ge…

  12. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 15

    Der Gott der Gerechtigkeit. 355 jeden Überschwang der Leidenschaft ist. Und endlich die fast ununterbrochene Siegeslaufbahn der eigenen Heeresmacht gab ihm die seelische Überlegenheit, in der Wut und Haß nicht gedeihen können. 3. Nicht nur …

  13. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 16

    356 Der Gott der Gerechtigkeit. Aber für das Volksganze, für unseren Staat wollen wir wenigstens auf einen Punkt verweisen. Es wird allgemein anerkannt, daß der Krieg schon längst beendet wäre, wenn Amerika nicht unsere Feinde mit "Waffen v…

  14. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 17

    Der Gott der Gerechtigkeit. 357 ihren Völkern, und der Gott, der den Sieg verleiht, ist eben auch der Stärkere, zu dem dann, weil seine Größe durch den Erfolg bewiesen, sich auch das überwundene Volk bekennt. Man könnte beinahe an die Zeit …

  15. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 18

    358 Der Gott der Gerechtigkeit. aussprechen, deren Erfüllung zum Nachteil des Nächsten ausfallen muß. Um ein banales Beispiel zu gebrauchen: Die Bitte um Regen oder Sonnenschein, Kälte oder Wärme wird verschieden laut werden, je nach der Er…

  16. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 19

    Der Gott der Gerechtigkeit. 359 rangen mißverstanden und die Zartheit des religiösen Empfindens von dumpfen Sinnen und verhärteten Herzen mißachtet wird. Diesen Gedanken glauben wir auch in einem Aussprach unserer Weisen wiederzufinden: קשה…

  17. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 20

    360 Der Gott der Gerechtigkeit. müssen. ״ ,בעונותינו הרביםum unserer vielen und großen Sünden willen“ sagen wohl die Betroffenen. Wir haben nicht das Recht, ja von uns wäre es ein Verbrechen, ihr unermeßliches Leid auf ein entsprechendes un…

  18. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 21

    …Gott an den Ankläger richtet: ״Hast dn deinen Sinn auf meinen Knecht Hiob gerichtet, daß keiner ihm auf Erden gleicht?“ Jesaja hat darauf die Antwort gegeben. Auch von der nichtjüdischen Exegese wird jetzt zumeist zugegeben, daß der Jesajanische …

  19. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 22

    362 Der Gott der Gerechtigkeit. es die Einsamkeit, die Verkennung und die Verfolgungen, die dem Verkünder der Wahrheit beschieden sind, zu tragen gewillt sei, hat es alle Stürme überstehen lassen. Die Not des Judentums in unserer Zeit ersch…

  20. 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 23

    Der Gott der Gerechtigkeit. 363 mit dem ich spiele; so oft ich von ihm rede, muß ich seiner liebend gedenken; darum werden alle meine Gefühle für ihn rege, ich muß es lieben, spricht Gott.“ Von der Liebe zu unseren Mitmenschen künden die fü…