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Jeschurun · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 10

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Date
1915-08-01
Page
– (sequence 10)
Language
German
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350 Der Gott der Gerechtigkeit. in einem früheren Aufsatz1) ausgeführt, daß alle Kundgebungen, die in diesem Kriege erlassen wurden und mochten sie auch von den ungeheuerlichsten Verleumdungen strotzen, letzten Endes ein Appell an das allgemein vorausgesetzte und nicht ausrott־ bare Gerechtigkeitsgefühl der Kulturmenschheit bedeuten. Und fragen wir nun, welches Volk kann von allen beteiligten Nationen am ehesten vor dem Richterstuhl der alles abwägenden Gerechtigkeit bestehen, so kann darauf nur die Antwort lauten: das deutsche. Es ist die Schuldfrage in Bezug auf den Weltkrieg nun bis zum Überdruß erörtert worden, aber es gelingt auch dem nüchternen, völlig nach Unparteilichkeit strebenden Denker nicht, für Deutschland einen Anteil an der großen Blutschuld, welche die Völker auf sich geladen haben, aufzuspüren. In letzter Zeit ist noch ein klassisches Beweismaterial hinzugekommen: die von den Deutschen in den Archiven Belgiens aufgefundenen Berichte der belgischen Gesandten in Berlin, Paris und London gelegentlich der Marokkokrise an ihre Regierung. Sie bringen für den wichtigsten Punkt in der Erörterung der Schuldfrage: Hat England mit voller Absicht auf den Krieg zwischen den europäischen Großmächten hingearbeitet (und das ist das Hauptmoment, denn ohne die Zu- Sicherung der englischen Unterstützung hätten Rußland und Frankreich nicht losgeschlagen) den entscheidenden Beweis. Er ist um so weniger zu erschüttern, als die englische Regierung die weitere Veröffentlichung der belgischen Berichte in ihrem Lande verhindert und damit ihre Schuld zugestanden hat. Das Bewußtsein von der Gerechtigkeit unserer Sache hat uns die ans Wunderbare grenzende heroische Kraft verliehen, fast einer ganzen Welt zu widerstehen. Die Vaterlandsliebe ist bei keinem unserer Gegner von geringerer Stärke. Aber daß die von Kant aufgestellte Maxime des sittlichen Handelns, die auf der Grundlage der Gerechtigkeit beruht, von den deutschen Kämpfern froh und ungeteilten Herzens in diesem Kriege bejaht werden konnte, das allein machte sie unüberwindl) Jeschurun II Heft .5.

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