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Jeschurun · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 6

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Date
1915-08-01
Page
– (sequence 6)
Language
German
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346 Der Gott der Gerechtigkeit. kann das Grundgesetz des gereckten göttlichen Waltens nicht aus der Welt schaffen. 2b. Die ganze Gesetzgebung wird nicht minder als Gnadengeschenk Gottes aufgefaßt, als ein Segen, der Israel beglücken soll. Es kann und soll hier nicht zum hundertsten Male widerlegt werden, was über die ״Last des Gesetzes“, über das rein juristische Verhältnis zwischen Gott und seinem Volke gefabelt worden ist. Selbst das Strafrecht, das über viele Vergehen auch rein religiöser Natur so harte Strafen verhängt, ist bei Lichte besehen von außerordentlicher Milde. Die ganze Schwere des Gesetzes trifft nur den, der unmittelbar nach der Verwar־ nung durch Zeugen die Stirn hat, das Verbrechen vor den Augen von Zeugen zu begehen, wer so des höchsten Grades der Auflehnung gegen die göttliche Majestät sich schuldig macht. In allen anderen Fällen — von Einzelheiten sehen wir hier ab — genügt im allgemeinen der Gesinnungswechsel, die Heue: und die Liebe Gottes, die nicht den Tod des Sünders will, sondern nur die Heimkehr in seines Vaters Haus, betrachtet auch die schwerste Übertretung von Gottes Gebot als gesühnt, wenn ״der gute Wille“ sich geäußert hat. Welch Ausmaß in der göttlichen Liebe, daß ein ganzes Leben der Schlechtigkeit ausgelöscht zu werden vermag durch einen einzigen seelischen Vorgang! Aber freilich, daß dieser Vorgang sich vollziehen muß, daß der Schuldige aus eigenem Antrieb den Weg wieder zurückfinden muß zu Gott, das ist unbedingtes Erfordernis. Die Vorstellung von einem Gotte, der auch dies Mindestmaß der ausgleichenden Gerechtigkeit nicht fordert, der ganz wähllos den Schlechten wie den Guten mit der gleichen Liebe umfaßt, bleibt dem Juden unverständlich. 3b. Und zuletzt: Auch das Problem der Theodicee, der Widerspruch zwischen Ideal und Leben in der Verwirklichung der Idee der Gerechtigkeit auf Erden wird durch die Annahme zu lösen versucht, daß alles Leid des Frommen der Liebe Gottes entspringt. ״Wen Gott lieb hat. den züchtigt er“

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