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Jeschurun · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 20

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Date
1915-08-01
Page
– (sequence 20)
Language
German
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360 Der Gott der Gerechtigkeit. müssen. ״ ,בעונותינו הרביםum unserer vielen und großen Sünden willen“ sagen wohl die Betroffenen. Wir haben nicht das Recht, ja von uns wäre es ein Verbrechen, ihr unermeßliches Leid auf ein entsprechendes ungeheures Ausmaß von Schuld zurückzuführen. Das wäre so bequem, wie es sich die Freunde Hiobs gemacht. Und wie diesen könnte man uns die Anklage entgegen schleudern: Wollt ihr Gottes Sache mit Trug führen und, um die Gerechtigkeit Gottes zu 'retten, den Tatbestand verdrehen? Kann aber etwa auf die göttliche Liebe dies nicht zu fassende Leid Israels zurückgeführt werden? Wir müssen eben die Idee der Gerechtigkeit Gottes in einem höheren und umfassenderen Sinne nehmen, wie dies im Buche Hiob geschieht. Die Freunde Hiobs vertreten die an sich nicht unberechtigte Anschauung, בי אדם לעמל יולד daß der Mensch seines Glückes und seines Unglückes Schmied, daß das Gute belohnt und das Böse bestraft wird. Aber sie begreifen nicht, daß der Mensch in den Zusammenhang des ganzen Weltgeschehens eingereiht ist, daß es ein Leiden des Frommen gibt um der Aufgabe willen, die ihm gestellt ist. Hiob leidet, damit die gedankenlose oder gar ungläubige und spöttische Umgebung, die von dem ״ שטןdem Ankläger“ vertreten wird, zu der Überzeugung gelangt, daß die Frömmigkeit des wahrhaft Frommen aus reiner Liebe zu Gott, nicht um eigennütziger Beweggründe willen sich betätigt. Es ist nun einmal von Gott in seiner Gerechtigkeit so geordnet, daß im tiefsten Sinne hier auf Erden jede Würde ihre Bürde hat, daß das Größte nur in großen Schmerzen geboren wird, daß die Treue in der Erfüllung der gestellten Aufgabe sich in unendliehen Opfern bewähren muß. Israel ist der Hiob unter den Völkern. Nicht auf den einzelnen Juden, seinen Charakter und seine Handlungsweise kommt es hier an, nicht auf die vielen, die nur ein loses Band mit dem Glauben und der Tradition ihrer Väter verknüpft, nicht auf den Anteil, den das Judentum an Kunst und Wissenschaft, an der Zivilisation und der Kultur der Menschheit in Anspruch nehmen kann. Nur das religiöse Verhalten

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