Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Date
- 1915-08-01
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Gott der Gerechtigkeit. 349 Deutschland blieb ohnmächtig, und Frankreich verblutete sich in seinen Kriegen für die Verbreitung der Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. Der überspannte Altruismus, die Liebe zur Menschheit hatte nicht die rechte Schranke gefunden an der Forderung der Gerechtigkeit, dem berechtigten Egoismus im Dienste der Nation. Und ״Nationalität“ ist Liebe, Liebe in kaum zu steigerndem Grade, Hingabe des einzelnen an das große Ganze, Aufopferung für sein Volk. Aber dort, wo sie Ziel und Bichtung nicht empfängt von der Gerechtigkeit, von der Achtung vor dem Hechte anderer Völker, da entartet sie zu jener Leidenschaft, die vor keinem Verbrechen zurückschreckt. Man wolle sich doch recht vor Augen halten, daß alle Betätigungen der Liebe, wenn sie nicht im Gleichgewicht gehalten, nach den Normen geübt werden, welche die Gerechtigkeit heischt, zur Schändung dieses Ideals führen können. Es leuchtet auch nicht ein, wie man mit dem Worte ״Vaterlandsliebe“ jetzt noch das reine und hohe Gefühl verbinden kann, wie zu Anfang des Krieges. Ich weiß wohl, daß ein Ideal nicht entthront wird, weil Trunkene es beschmutzt haben. Aber man kann doch nicht vergessen, daß ein großer Teil des italienischen Volkes, begeisterte Jugend und erfahrene Männer ihr Blut für dies Ideal hingeben, daß Italiener aus subjektiv edler Überzeugung von ״Vaterlandsliebe“ erglühen. III. Gerechtigkeit als Grundlage alles Wollens und Handelns, und Liebe nur gemäß der Gerechtigkeit, das allein vermag uns den rechten Weg zu führen, von dem Haß zu erlösen und uns in dem Zusammenbruch aller Ideale auch allein den religiösen Halt zu geben. Diese Wahrheit finden wir immer wieder bestätigt, von welchem Gesichtspunkt aus wir auch das Erlebnis dieses Weltkrieges betrachten: 1. Der Gedanke, daß die Gerechtigkeit der Maßstab aller Dinge ist, auch aller Entschlüsse im Leben der Völker, wurzelt tief im Bewußtsein der Menschheit. Wir haben bereits