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Jeschurun · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Date
1915-08-01
Page
– (sequence 11)
Language
German
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Der Gott der Gerechtigkeit. 351 lieh. Bei allen Völkern waren die Vertreter der Intelligenz die treibende Kraft. Vorwiegend von dem Gefühl der Liebe beherrscht und berauscht sehen wir sie bei den Gegnern. Die Liebe zum Vaterland in erster Reihe erwachsen aus der Tiberzeugung, für die Gerechtigkeit zu streiten, bei den Deutschen. Es ist nicht wahr, daß der Ausgang des Krieges allein Sache der industriellen Überlegenheit ist. Diesen Krieg wird der Mensch gewinnen und nicht die Maschine, die Sittlichkeit der einzelnen und nicht eine einzige Seite intellektueller Begabung. Aber in weiterem Sinne ist ja auch diese jetzt selbst von den Gegnern vielgerühmte Tugend ein Ausfluß der in unserem Volk waltenden Gerechtigkeit. Die Männer der Theorie und der Praxis, welche Deutschland auf diesem Gebiete an die Spitze aller Völker geführt, waren sicherlich nur zum sehr geringen Teile Sittlichkeitsapostel, die meisten waren auf ihren eigenen Vorteil wohl bedacht. Aber in keinem Lande der Welt waren die Pflichten der Gesamtheit gegenüber dem einzelnen und die Rechte des einzelnen gegenüber der Gesamtheit nicht nur auf dem Papier, sondern in der Wirklichkeit so abgegrenzt und wurden diese Grenzen so behütet wie in Deutschland. Um nur von vielem Eines zu erwähnen. Von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wurde allentwegen mehr gesprochen als hier zu Lande. Aber nirgends hat die soziale Gesetzgebung eine solche Höhe erreicht und so segensreiche Folgen gezeitigt. 2. Die Gerechtigkeit hat uns auf den rechten Weg geführt, sie gab uns das alle unsere Tatkraft anspannende Gefühl erlittenen Unrechts und stählte so unsere Kraft bis zum äußersten. Aber in diesem Gefühl birgt sich der giftige Keim zum Rachedurst und lodernden Haß. Da ist es von entscheidender Bedeutung, daß der Wille, gerecht zu sein, auch das Heilmittel enthält gegen diese verheerende Leidenschaft. Was fingen wir wohl mit der Forderung der Liebe an gegenüber unseren Feinden? Die Frage stellen heißt das Sinnlose dieser Forderung aufzeigen. Man will die Gültigkeit des

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