Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Date
- 1915-08-01
- Page
- – (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Gott der Gerechtigkeit. 357 ihren Völkern, und der Gott, der den Sieg verleiht, ist eben auch der Stärkere, zu dem dann, weil seine Größe durch den Erfolg bewiesen, sich auch das überwundene Volk bekennt. Man könnte beinahe an die Zeit des alten Götzendienstes denken, wenn man in den Kundgebungen der Küssen von dem ״russischen Gott“ reden hört. Es ist freilich nicht ganz so schlimm, weil in Kußland die griechisch-orthodoxe Kirche herrscht, die mehr als irgend ein anderes Bekenntnis für die Überzeugung kämpft, orthodox zu sein und alle Ungläubigen auch in Wirklichkeit zu Menschen niederen Grades stempelt, und weil kein Volk des gleichen Bekenntnisses — bis jetzt wenigstens nicht — im gegnerischen Lager steht. Sie kann daher von ihrem Standpunkt aus mit einem gewissen Kecht in ihren Gebeten die Vor- Stellung voraussetzen, daß der russische Gott, der Gott der Gläubigen, seinen Bekennern zum Siege voranschreiten wird. Schon die katholische Kirche aber, die an sich aus ihrem Prinzip heraus nicht minder die Anschauung vertreten muß, daß sie allein in Lehre und Leben den rechten Weg zu weisen vermag, sieht sich in einer schwierigen Lage, weil sie eben in höherem Grade Katholizismus ist, in allen kriegführenden Völkern große Massen zu Bekennern ihres Glaubens zählt. Der große Kirchenfürst, der jetzt an ihrer Spitze steht, hat in liebenswertester Form die Konsequenzen gezogen. Er hat nur Gebete für den Frieden gestattet. Uns scheint, als ob hier die Schwierigkeit nur verschleiert ist. Gebete um den Frieden, mit dem festen Entschluß, bis auf den letzten Mann zu kämpfen?! Von Gott ein Ereignis erflehen, das man seinerseits vorläufig wenigstens mit allen Kräften hinauszuschieben sucht?! Es wird dem Drang des Herzens — und das Gebet ist Herzenssache — keine Schranken gezogen werden können, wenn die Beter um den Sieg und den Erfolg ihrer Sache flehen. Es ist aber das Problem, das die Kriegsgebete uns aufgeben, ja kein anderes als das, welches das Bittgebet im allgemeinen bietet. Wir sehen hier von den Schwierigkeiten metaphysischer Natur ab und wollen nur an das eine denken, daß auch im Frieden die Menschen in ihren Gebeten Wünsche 24