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Jeschurun · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 4

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Date
1915-08-01
Page
– (sequence 4)
Language
German
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344 Der Gott der Gerechtigkeit. als sie zusammen mit Moses und Ahron von Pharao die Freilassung Israels erbitten sollten, aus Angst einer nach dem anderen zurückblieben, darum auch bei der Offenbarung am Fuße des Berges bleiben mußten. 2a. Das Gesetz wird naturgemäß beherrscht von dem Gedanken der Gerechtigkeit Gottes. Wie Gott die Welt erhält nach unwandelbaren Naturgesetzen, die unerbittlich ineinandergreifen, so hat er für das Leben der Juden ein System von Pflichten aufgestellt, die keiner Willkür Raum gewähren. Sein weiser Ratschluß hat alles abgemessen und abgegrenzt, daß in jeder Pflichtübung das Rechte geschieht. Aus diesem streng geordneten System von Handlungen als Ursachen muß ein ebenso geschlossenes System von Wirkungen folgen. Die Zusammen* hänge im einzelnen sind uns verborgen. Aber sie müssen vor* handen sein, und Glück und Unglück, früher oder später, für den einzelnen oder für die Gesamtheit, in diesem oder jenem Leben müssen aus der Beobachtung oder Vernachlässigung der von Gott gesetzten Pflichten sich ergeben. Denn Gott ist ein Gott der Gerechtigkeit. Wir nehmen das Wort, das unsere Religion schmähen soll, gern auf. Ja, wir proklamieren die Lohngerechtigkeit. Nur in einem anderen Sinne, wie unsere Gegner sie verstehen. Nicht, daß der Jude um des Lohnes willen das Gesetz befolgt. Wie fern liegt ihm der Gedanke, den der Dichter in die Worte faßt: ״Bist Unsterblichkeit mir schuldig, Sieh, ich fordere sie von Dir!“ Niemals ein Pochen auf Belohnung. Aber Lohngerechtigkeit in dem Sinne, daß der gerechte Gott unmöglich das Gute unbelohnt lassen könne. Warum hat man denn nicht das Wort geprägt von der Strafgerechtigkeit? Und diese lebt doch mit der gleichen, vielleicht noch stärkeren Eiraft im jüdischen Volksbewußtsein. Jahrtausende der Leiden, in denen das Prophetenwort unendlich oft Wahrheit geworden, daß״ Zion das Doppelte für all seine Sünden erfahren“, haben aus dem religiösen Fühlen, aus den Gebeten, aus der Umgangssprache nicht die Formel tilgenkönnen בעונותינו הרבים daß uns all das widerfährt ״um unserer vielen Sünden willen“..

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