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Jeschurun · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 22

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Date
1915-08-01
Page
– (sequence 22)
Language
German
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362 Der Gott der Gerechtigkeit. es die Einsamkeit, die Verkennung und die Verfolgungen, die dem Verkünder der Wahrheit beschieden sind, zu tragen gewillt sei, hat es alle Stürme überstehen lassen. Die Not des Judentums in unserer Zeit erscheint uns als die größte, weil das eigene Erlebnis ganz anders auf unser Denken und Fühlen wirkt als die Berichte aus früheren Zeiten. Sie soll wahrlich nicht verkleinert werden. Aber der judäische Krieg und der hadrianische, die Zeit der Kreuzzüge, des schwärzen Todes und der Chmielnikischen Verfolgungen haben sicher ebenso Grausiges gesehen. Wie es damals den in den Staub Getretenen nur deshalb gelang, sich wieder zu erheben, weil ihre religiöse Denkweise sie an ihrem Gott nicht verzweifeln ließ, weil sie in allem Leid nur die Schattenseite ihrer Auserwählung sahen, so wird auch heute die osteuropäische Judenheit nur dann sich in ihrem alten Bestände behaupten, wenn sie dem Lehre und Leben des Judentums beherrschenden Grundgedanken von der Gerechtigkeit Gottes treu bleibt. Was immer an praktischer Hilfe von ihr und von uns zur Hebung ihrer politischen Hechte und sozialen Stellung geleistet werden kann, muß selbstverständlich geschehen. Aber die letzte Kraft zur Selbstbehauptung muß sie wie jede Volksgruppe aus einer Idee schöpfen. Für die Judenheit kann diese Idee nur eine religiöse sein und in der Religion wiederum nur die für das Judentum grundlegende — die von der Gerechtigkeit Gottes. Sie nahen wieder ״ ימים נוראיםdie ehrfurchtgebietenden Tage“, da ״in die Posaune gestoßen wird und das Volk erbebt“, da auch die abseits standen, von ihrem Gotte entfernt, um die Fahne des jüdischen Glaubens sich scharen. Von der Liebe zu Gott hallen unsere Lobgesänge in den Bethäusern wieder, von der Liebe Gottes zu uns hören wir den Hauptankläger Israels unter den Propheten, Jeremias, reden: ״Ja ein teurer Sohn ist mir Ephraim, wie ein Kind,

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