Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Date
- 1915-08-01
- Page
- – (sequence 19)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Gott der Gerechtigkeit. 359 rangen mißverstanden und die Zartheit des religiösen Empfindens von dumpfen Sinnen und verhärteten Herzen mißachtet wird. Diesen Gedanken glauben wir auch in einem Aussprach unserer Weisen wiederzufinden: קשה פרנסתו של אדם כקריעת ים ״ סוףDie Ernährung des Menschen fällt Gott so schwer wie das Spalten des Schilfmeeres “. Seiner anthropomorphistischen Hülle entkleidet, bedeutet dieser Satz: Widerstreitend sind die Interessen der Menschheit und sie bringen כביכול, wenn man diesen kühnen Ausdruck wagen darf, Gott mit ihren Wünschen in einen Konflikt. ״Es fällt Ihm schwer״ die Entscheidung zu treffen. Es ist der gleiche Konflikt, der sich am Schilfmeer erhob, da ein großer Teil des einen Volkes ״Gottes Händewerk“ um der Rettung des anderen willen ins Meer versinken sollte, während doch הללו עובדי ע״ז והללו עובדי ע״ז sie beide Gott gleich nah oder gleich fern stehen mußten. Israels Schreien und Moschehs Flehen wurde von Gott zurückgewiesen. Die Ent- Scheidung fiel nach dem Grundsatz: והדבר אשר זדו עליהם nach der Forderung der göttlichen Gerechtigkeit mußten die Ägypter den Kindermord büßen. V. Und endlich das Problem der unendlichen Leiden der Judenkeit in diesem Kriege. Mit Ausnahme des Herausgebers des ״Hammer״ und seiner Gesinnungsgenossen, deren Äußerungen nur als Phantasien eines krankhaft überreizten Gehirns zu erklären sind, wird es keinen Menschen auf der Welt geben, der den Juden irgend einen Anteil an dem Ausbruch dieses Weltkrieges zuschreibt. Und doch ist kein Volk und keine Genossenschaft, die in diesem Weltkriege so gelitten hat wie die osteuropäische Judenheit. Sollen wir die grauenhaften Bilder von den Hinrichtungen und Schändungen, von den Austreibungen und Reisen in den plombierten Wagenhier im einzelnen vorführen, Bilder, bei denen das Blut in den Adern erstarrt und die wir mit Absicht aus unserer Seele zu tilgen suchen, weil auch die Fähigkeit des Mitleidens eine Grenze hat und wir dort, wo wir doch nicht helfen können, unsere eigenen Nerven schonen 24*