Jeschurun
- Journal
- Jeschurun
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- Heft 8-9 (August 1915)
- Date
- 1915-08-01
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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354 Der Gott der Gerechtigkeit. nicht jedermanns Sache, für eine freie Meinungsäußerung ein — letzten Endes doch völlig zweckloses — Martyrium auf sich zu nehmen. (In Italien wurde ein Soldat, der das Vorgehen seines Staates eine Infamie genannt hatte, zu dreizehn (!) Jahren Kerkers verurteilt). Und wir wollen nicht vergessen, daß von allen unseren Gegnern gerade in dem Lande, das von so vielen als das am meisten hassenswerte uns hingestellt wird, das freilich auch der Lüge am meisten Raum gegeben, in England, die Stimme der Gerechtigkeit am lautesten erschallt. Und zwar nicht nur von denen, die sich dabei von der Absicht leiten lassen, für die allgemeine Wehrpflicht Stimmung zu machen, sondern die aus Liebe zur Wahrheit ihrem eigenen Volke den Spiegel Vorhalten1). Ein Ehrenzeugnis müssen wir in dieser Hinsicht Deutschland ausstellen, das alle anderen Völker auch in der Gerechtigkeit seines Urteilens übertroffen hat und das daher trotz Ernst Lissauer2) und seiner Gefolgschaft frei von Gefühlen des Hasses und schmählichen Äußerungen ungerechter Beurteilung geblieben ist. Wollen wir freilich auch in der Zuweisung dieses Lobes nach Gerechtigkeit wägen, dann dürfen wir nicht vergessen, daß uns diese Tugend aus mehreren Gründen leichter fällt. Der Deutsche hat nicht das stürmisch aufwallende Temperament wie eine Reihe der gegnerischen Völker, die Überzeugung von seiner Schuldlosigkeit und der Gerechtigkeit seiner Sache verlieh ihm die innere Sicherheit, die der beste Schutz gegen ג) Vgl. den x\rtikel ״Mutige Männer“ von Prof. Sieper, München, Berl. Tageblatt 17. August, in dem eine Reihe hervorragender Führer im öffentlichen Leben Englands zu Worte kommen. 2) Dessen HaSgesang Ja jetzt so ziemlich von allen verworfen wird, für die Alldeutschen von Cliamberlain im ״Tag“ für das Zentrum von der ״Kölnischen Volkszeitung“ für die liberale und sozialistische Presse in zahlreichen Kundgebungen. Auch in konservativen Kreisen wurde ihm entgegengetreten; der Karne der Zeitungen ist mir nicht mehr gegenwärtig. Die jüdische Presse hat einhellig gegen seinen .Haßgesang Stellung genommen. Und von autoritativer Seite hat das gleiche der höchste Beamte des Deutschen Reiches in seiner Reichstagsrede unternommen mit der Erklärung: Kickt Haß, sondern heiliger Zorn!