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Jeschurun · 1915-08-01 · Heft 8-9 (August 1915) · page 21

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Jeschurun
Volume
2 (1915)
Issue
Heft 8-9 (August 1915)
Date
1915-08-01
Page
– (sequence 21)
Language
German
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Der Gott der Gerechtigkeit. 361 stellt hier in Frage. Gilt von Israel als einem Gott dienenden Gliede der Menschheit der Satz, den Gott an den Ankläger richtet: ״Hast dn deinen Sinn auf meinen Knecht Hiob gerichtet, daß keiner ihm auf Erden gleicht?“ Jesaja hat darauf die Antwort gegeben. Auch von der nichtjüdischen Exegese wird jetzt zumeist zugegeben, daß der Jesajanische Gotteskn echt den frommen Fest Israels darstellt. Und der 'עבד ה gleicht in allen seinen Zügen in seinen Eigenschaften, seinem Handeln und seinem Schicksal dem Helden des Buches Hiob. Dies Heldentum ist in erster Reihe das des frommen Duldens. Aber nicht ein Dulden, wie das des Fatalisten, der sich dem blind waltenden Schicksal unterwirft, oder das stummer Resignation, die das unerforschliche Walten Gottes hinnimmt, weil es doch unabänderlich ist, sondern das Dulden eines Menschen, der, wie uns das im Buche Hiob geschildert wird, die Schwere des Problems in ihrer ganzen Furchtbarkeit erfaßt, sich gegen das scheinbar völlig unverdiente Leid wild aufbäumt, bis er die Selbstüberwindung durch die Erkenntnis gewinnt, daß alle Wege Gottes gerecht, daß die Auserwählt־ heit eine dornenvolle Aufgabe, daß die Größe mit einer Fülle von Schmerzen verknüpft ist. Diese Auffassung ist ebenso weit entfernt vom oberflächlichen Optimismus wie vom zermürbenden und alle fröhliche Pflichterfüllung tötenden Pessimismus. Wer diese Lebensauffassung sich zu eigen macht, der freut sich jeder Gabe, die Gott ihm spendet, weiß auch das bescheidene Glück in Frohsinn zu genießen, aber er bejaht die Notwendigkeit des Leidens in der von Gott geordneten Welt und erkennt die Tatsache, daß die auf den Höhen des religiösen Lebens wandeln dem Leid den größten Tribut zahlen müssen, als Ausfluß der Gerechtigkeit Gottes. Das Judentum hat sich in der Welt behauptet, nicht nur, weil es durch sein Religionsgesetz zusammengeschmiedet war, das Gesetz hätte nicht seine Wirksamkeit entfalten können, wenn es nicht aus einer Welt- und Lebensauffassung seine Kraft gesogen. Allein die Überzeugung, daß es ein Reich von Priestern, ein heiliges Volk nur sein und bleiben könne, wenn

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