Mannheim
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  1. 1861-01-01 · Heft 1 · page 237

    219 -er Jugend widmen wollte. Alsdann denke ich, daß ich nicht weiß, in welche Grenzen jene Freiheit zu philosophiren eingeschränkt werden müßte, um nicht zu scheinen, die öffentlich festgestellte Religion verwirren zu wollen: denn die Schi…

  2. 1861-01-01 · Heft 1 · page 238

    220 And wir haben jetzt nichts mehr zu thun, als unverfälschte Nachrichten über seine letzte Krankheit und seinen Tod beizubringen. Da nämlich schon Eoller nach den glaubwürdigsten Zeugnissen alle die schmählichen Berichte, welche über Spin…

  3. 1861-01-01 · Heft 1 · page 239

    221 bemächtigt, die der Verstorbene auf seinem Tische liegen? hatte. Nach dem Tode Spinozas sorgte sein Wirth für sein Begräbniß, wofür ihm die Kosten von dem Bruder des <5U mon von Uries ersetzt wurden, wie wir oben erwähnt. Sein Leichnam …

  4. 1861-01-01 · Heft 1 · page 240

    222 Sein Schmuck, bestehend in 12 stlbernen Knöpfen (!) 2 fl. Das ganze Inventarium belief sich auf 400 fl. 13 Sous And mit Abzug der Kosten 390 fl. 14 Sous. Spinoza hatte, befohlen, daß unmittelbar nach seinem Ableben sein Pult, in welchem…

  5. 1861-01-01 · Heft 1 · page 241

    Würdigung seines Charakters. wird dem Leser, der bis jetzt unsrer Bemühung, vor seinen Augen das einfache Gemälde des Lebens Spinoza s zu entwickeln, gefolgt ist, vielleicht schon aufgefallen sein, daß die Nachrichten über ein innerlich so …

  6. 1861-01-01 · Heft 1 · page 242

    224 den inneren Bewegungen eines vor uns wandelnden. Menschen nachzuspüren, und forschend Heftel sich unser Auge aus das Gesicht des Freundes oder Feindes, erfragend, was wohl jetzt in seinem Gemüthe vorgehen mag: doch oft vergebens. Um wie…

  7. 1861-01-01 · Heft 1 · page 243

    225 Descartrschen Philosophie die Stütze Mr ein selbststäüdiges Geistesleben. Aber er Wt auch hier sich nicht Mendeü bon den Bestimmungen seines Lehrers, auch hier bewahrt er sich die Freiheit der Denkkrast, und ist im Stande, die Verwickel…

  8. 1861-01-01 · Heft 1 · page 244

    226 verbringt er mit kärglicher Kost sich begnügen-, ohne Gattin und Kinder seine Tage einsam in der düstern Umgebung eines Hofes, von dem Siechthume eines abzehrenden Körpers gequält. Dennoch kommt keine Klage über seine Lippen, gleich fre…

  9. 1861-01-01 · Heft 1 · page 245

    227 keit, welch streng sittliche Lebensweise, welche Gerechtigkeitsliebe sie besaßen und ausübten: geübt von Jugend auf, die kleinsten Gegenstände und Begebenheiten mit dem strengen Auge der religiösen Beurtheilung anzusehen, und sich auf d…

  10. 1861-01-01 · Heft 1 · page 246

    228 wissen idiosyncratischen Feuer hervorgeht, mit dem das einmal Angenommene festgehalten wird. Diese Hartnäckigkeit, d. i. diese Konsequenz der geistigen Haltung ist in dem Stamme erblich, wie in einer sanguinischen oder phlegmatischen Fa…

  11. 1861-01-01 · Heft 1 · page 247

    229 vorging, so fragen wir uns, was wohl die Ursachen gewesen, die theils diesen Zustand vermittelt und hervorgerufen, Heils unterhalten und ausgebildet haben. — Hier freilich wünschen wir die Geschichte seiner Kindheit und Jugend genauer z…

  12. 1861-01-01 · Heft 1 · page 248

    230 die Meere beherrschenden Holland wohnenden portugiesischen Juden namentlich des 17. Jahrhunderts besonders die Kenntniß der lateinischen Sprache gewöhnlich war, will ich nur des völlig orthodoxen Rabbiners erwähnen, Menasseh ben Israel,…

  13. 1861-01-01 · Heft 1 · page 249

    231 Dem großen Geiste wär so die Zunge gelöst; alle Befangenheit wich; er stand unabhängig da. Nun fühlte er die große Aufgabe seines Lebens, und der Genius befahl ihm, auch die äußeren Fesseln zu sprengen, die ihn noch hielten. Verweilen w…

  14. 1861-01-01 · Heft 1 · page 250

    232 Sind wir jedoch mit dieser allgemeinen Ansicht her Sache noch nicht zufrieden, sondern gehen nun specieller in die Verhältnisse ein, so drängt sich uns die Ueberzeugung auf, daß diese vollkommene Trennung von seinen Stamm-- und bisherig…

  15. 1861-01-01 · Heft 1 · page 251

    233 wachsen sollten. Wenn aus der Mitte dieser ein Apostat erstand, welch böses Beispiel für Viele! Wie tief mußte es also den R. Morteira ergreifen, wenn von seinem unmittelbaren Unterrichte hinweg ein Jüngling, von dem er die höchsten Hof…

  16. 1861-01-01 · Heft 1 · page 252

    234 die mit den ihrigen in Berührung standen. Und so geschaht. — Diese Einsamkeit, dieses Fremdsein und Alleinstehen für sein übriges Leben durchdrang ihn mit einer rührenden Wehmuth, welche die Härte seines Charakters milderte, seine einzi…

  17. 1861-01-01 · Heft 1 · page 253

    235 fortan ein Grundzug seines Charakters blieb, und die in seinem körperlichen Leiden Nahrung fand, war er sanft und zurückhaltend, nicht stürmisch , nicht heftig, da er doch so fest in seinem Willen war. Wie freudig überrascht es uns doch…

  18. 1861-01-01 · Heft 1 · page 254

    236 durch sein ganzes Leben schlingen, und wie er bei solcher abschreckenden Erscheinung der Menschen sich noch Liebe und Neigung zu dem Menschen erhält, fürwahr! eine solche Tiefe des Gemüthes, eine solche Kraft des Blickes in die disharmo…

  19. 1861-01-01 · Heft 1 · page 255

    237 den Aussichten nach Heidelberg zurückgewiesen, weil er wohl wußte, daß der dunkle Geist des Jahrhunderts nicht gestatte, mit helleren Ansichten öffentlich hervorzutreten, und daß er nur einen vergeblichen Kampf anspinnen würde, den ausz…

  20. 1861-01-01 · Heft 1 · page 256

    238 suchen, in nichts zu finden scheint. Aber aus dem stechenden. Blicke des wie aus einem Dunkel, aus dem Hintergründe der Orbita heller strahlenden Auges, aus der frei und hochgewölbten Stirn, aus der-klingenden Stimme leuchtet und tönt d…